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24. Februar 2010  
Zu Besuch bei der studentischen Unternehmensberatung Oscar

Mit den Bossen am Tisch

Spannende Projektarbeit statt grauer Theorie: In Köln beraten Studenten seit 17 Jahren namhafte Konzerne wie Bayer, Thyssen-Krupp und Ford. Der Job gibt einen knallharten Vorgeschmack aufs Arbeitsleben. Daniel Schwitzer

Powerpoint. Schon wieder Powerpoint! Natalie Koczor und Timo Wystrach sitzen mit kleinen Augen vor dem Laptop und blättern durch ihre Präsentation, an der sie letzte Nacht noch bis vier Uhr gebastelt haben. Wo war doch gleich die Folie über die Auswirkungen der Mitarbeiterzufriedenheit auf den Betriebserfolg? Vor ihnen auf dem Schreibtisch herrscht kreatives Chaos: jede Menge Unterlagen, Mappen mit bunten Logos und Tabellen, dazwischen ein angebissenes Camembert-Brötchen und eine Packung Fertignudeln. So kurz vor Projektende bleibt für Grundbedürfnisse wie essen und schlafen halt wenig Zeit. Koczor, 23, und Wystrach, 25, arbeiten für die studentische Unternehmensberatung Oscar in Köln, und übermorgen soll ihr großer Tag werden. Dann präsentieren die beiden dem Kunden, einem Finanzdienstleister mit Standorten in ganz Deutschland, ihre Ergebnisse. Eine neue Marketingstrategie haben sie für ihn entwickelt, mit allem drum und dran, in acht Wochen. Acht Wochen lang Interviews, Analysen, Berechnungen – und immer wieder Powerpoint! Dabei ging es auch um ihre persönliche Zukunft. „Sechzig Prozent der Oscar-Berater werden nach einem erfolgreichen Projekt vom Kunden übernommen“, erklärt Robert Koch. „Für die Unternehmen gibt es natürlich kein besseres Assessment-Center. Sie können unsere Leute über zwei oder drei Monate ganz intensiv beobachten, und wenn sie zufrieden sind, machen sie ihnen ein Angebot.“

 

Struktur ist das A und O

Koch ist 24 und einer von vier Geschäftsführern bei Oscar. Seinen schwarzen Anzug trägt er so selbstverständlich und lässig, als sei er darin auf die Welt gekommen. Die kurzen, dunkelblonden Haare sind hochgegelt. An diesem Vormittag lässt er sich von seinen beiden Mitarbeitern über die Fortschritte des Projekts unterrichten. „Interner Status“ heißt das im Unternehmensberater-Slang. Dazu ist er mit dem Firmenwagen in die Zentrale des Finanzdienstleisters gekommen, wo Koczor und Wystrach für die Dauer des Projekts ein karges provisorisches Büro bezogen haben. 

Von der Decke flackert fahles Neon-Licht. An der Wand hängt noch der Kalender von 2008. Koch spricht ruhig, konzentriert, strukturiert. Struktur ist in der Beratung das A und O, gerade in der Endphase eines Projekts, wo es schon mal hektisch zugehen kann. So wie jetzt: Die Powerpoint-Präsentation ist mit 300 Folien noch viel zu lang. Für den Kostenplan müssen die aktuellen Zahlen kalkuliert werden. Und der Entwurf der Homepage im neuen Corporate Design lässt auch auf sich warten. „Wir müssen jetzt vor allem ergebnisorientiert arbeiten“, gibt der Geschäftsführer die Devise für die letzten beiden Tage aus, „den Kunden interessiert im Meeting erst mal nur das Ziel und nicht der Weg dorthin.“

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