Schatzsucher unerwünscht!
Wer Archäologe werden will, muss lange studieren und ein Talent für Sprachen mitbringen. Doch die Mühe lohnt sich, denn der Job ist spannend und abwechslungsreich. Einstieg hat deutsche Forscher bei Ausgrabungen im Nahen Osten begleitet.Daniel Schwitzer
Tall Zira'a im Königreich Jordanien. Gerade mal halb elf ist es an diesem Freitagvormittag, und das Thermometer zeigt schon 40 Grad im Schatten. Wenn es doch nur Schatten gäbe, hier am Rande der Wüste, 17 Meter unter dem Meeresspiegel. Aber die Sonne steht jetzt fast senkrecht am Himmel und brennt brutal herunter auf das Forscherteam aus Deutschland, das mit Schaufel, Hacke und Kelle den Boden der Ausgrabungsfläche bearbeitet. Vom benachbarten Gadara aus wirken die Wissenschaftler so klein wie Ameisen, fleißig und doch ein wenig verloren in der Weite des Landes.
Nahaufnahme. Andrea Gropp scheint die Hitze nicht viel auszumachen, obwohl sie seit vier Stunden ohne Pause ackert. Gerade kniet die Studentin aus Münster mit ihrer khakifarbenen Hose im Staub und begutachtet kritisch Befund Nummer 3672. Was sie sieht, schreibt sie sofort detailliert in ihr Notizbuch, anschließend fotografiert sie die Stelle aus verschiedenen Blickwinkeln. Erst wenn alles genau dokumentiert ist, kann die Arbeit weitergehen.
Befund 3672, das ist ein Stück Mauerrest aus der späten Bronzezeit, den Andrea Gropp und ihre Kollegen heute morgen mühsam ausgegraben haben. Für den Laien muten die alten Steine unspektakulär an. Doch Gropp erkennt in ihnen schon mehr: „Die Mauer ist vergleichsweise dick. Das deutet darauf hin, dass es sich um ein repräsentatives Gebäude handelt“, erklärt sie, „vielleicht sogar um einen Palast, denn in der Nähe haben wir auch Rollsiegel, Glasperlen und ein Silberamulett entdeckt."
20 Städte übereinander
Wir befinden uns im äußersten Nordwesten Jordaniens, GPS-Koordinaten 32°37’ Nord und 35°39’ Ost. Weiter westlich sieht man schon Israel am Horizont, und nach oben hin ist es nur ein Steinwurf bis zur syrischen Grenze. Hier, mitten im Wadi el-'Arab, hat der deutsche Archäologe Dieter Vieweger vor zehn Jahren den Tall Zira'a entdeckt. "Tall" ist Arabisch und bedeutet übersetzt Hügel. Nur ist Viewegers Tall kein natürlicher Berg, sondern einer, der im Laufe der Jahrtausende durch Besiedlung erwachsen ist – Schicht auf Schicht, Stadt auf Stadt. Archäologen nennen solch ein Phänomen auch Kulturschutthügel. "Die Menschen hatten hier immer perfekte Bedingungen. Es gab reichlich Wasser, ringsherum fruchtbare Felder. Außerdem verlief entlang des Talls früher eine der großen Handelsstraßen in dieser Region", erklärt Vieweger.
Er vermutet auf seinem Hügel mindestens 20 unterschiedliche Kulturschichten, von der islamischen Zeit ganz oben bis ins fünfte Jahrtausend vor Christus ganz unten. "Das ist ein Forschungsprojekt für die nächsten 100 Jahre", sagt der Professor, der an der Uni Wuppertal Theologie lehrt und in Jerusalem das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft leitet. Ein Team aus 65 Fachleuten, Studenten und Volontären aus Deutschland begleitet ihn zweimal pro Jahr für mehrere Wochen zu den Ausgrabungsarbeiten nach Jordanien.
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