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23. Mai 2012  
Berufe in der Verwaltung

Ganz schön vielseitig

Sie arbeiten fürs Gemeinwohl, also für uns alle. Und selbst, wenn sie uns dabei manchmal ein bisschen nerven – ohne die Beamten in der öffentlichen Verwaltung würde Deutschland nicht funktionieren. Daniel Schwitzer
Verwaltung

Ohne Beamte in der Verwaltung würde Deutschland wohl kaum fuktionieren. © Vlaminck / photocase.com

Sie sind faul, unflexibel, stur, ja sogar korrupt. Tagein, tagaus sitzen sie in ihren staubigen Büros, sortieren Akten und nerven unsereins mit ihren bürokratischen Vorschriften. Und wenn man sie dann wirklich mal braucht, haben sie entweder schon Feierabend, oder aber es vergehen Stunden in der Wartehalle, bis man endlich an der Reihe ist. Von welchem Berufsstand ist hier wohl die Rede? Klar, von den Beamten.

Seltsam nur, dass Christian Spormann gar nicht wie einer wirkt, auf den all diese Vorurteile zutreffen sollen. Aber so ist das halt mit Vorurteilen. An diesem Morgen sitzt der 26-Jährige, dessen wache Augen neugierig hinter einer Brille hervorlugen, an seinem Schreibtisch im Jugendamt von Mönchengladbach und ist ins Kundengespräch vertieft. Er berät eine junge Frau, die vor kurzem Mutter geworden ist. Das Problem: Der Vater des Kindes, mit dem die Frau nicht verheiratet ist, weigert sich, Unterhalt zu zahlen. Hier ist das Jugendamt gefragt.

 

Immer nah am Bürger

"In solch einem Fall übernehmen wir dann quasi die Rolle des Anwalts für das Kind", erklärt Christian Spormann. Zuerst fordert er den Vater auf, sich zu der Sache zu äußern. Bezweifelt dieser, überhaupt der Vater zu sein, veranlasst Spormann eine gerichtliche Vaterschaftsfeststellung. Ist diese positiv, berechnet er anhand der monatlichen Einkünfte des Mannes den fälligen Unterhalt für das Kind und versucht erneut, ihn zum Einlenken zu bewegen. Weigert er sich weiterhin, verklagt ihn das Jugendamt letztlich auf Zahlung. Der Fall landet vor dem Familiengericht. "In meinem Job kann ich Menschen, die in einer Notlage sind, ganz unmittelbar helfen", sagt Spormann. "Und darum geht es mir auch. Wer in der Verwaltung arbeiten will, weil er denkt, toll, da tanzen die Bürger nach meiner Pfeife, der ist hier definitiv falsch."

Christian Spormann ist einer von mehr als 3.000 Beschäftigten in Mönchengladbachs kommunalem Verwaltungsdienst, die zusammen dafür sorgen, dass die Stadt funktioniert. Sie arbeiten für das Gemeinwesen, also für uns alle. Sie unterstützen und beraten die Bürger in wichtigen Angelegenheiten und erleichtern ihnen so das Leben. Und sie halten die öffentliche Ordnung aufrecht – notfalls durch Verhängung von Bußgeldern. Kommunale Verwaltungsbeamte sitzen in den unterschiedlichsten Ämtern und Dienststellen einer Stadt: im Umweltamt und in der Kämmerei, im Sozialamt und im Baudezernat, im Personalamt und in der Stadtbibliothek, im Standesamt und bei der Feuerwehr.

Die Karrieremöglichkeiten in der Kommunalverwaltung sind vielfältig und hängen zunächst einmal vom Schulabschluss eines Bewerbers ab. So können Schulabgänger mit Mittlerer Reife ausschließlich die mittlere Beamtenlaufbahn einschlagen, während Abiturienten sich für den so genannten gehobenen Dienst bewerben. Hochschulabsolventen steht darüber hinaus der höhere Dienst offen.

 

Nicht nur Bürojobs

Christian Spormann hat nach dem Abitur den dualen Studiengang zum Diplom-Verwaltungswirt im gehobenen Dienst absolviert. Inzwischen ist dieser durch den Bachelor-Studiengang "Kommunaler Verwaltungsdienst" ersetzt worden – eine wahre Generalisten-Ausbildung, denn hinterher kann man tatsächlich in sämtlichen Ämtern einer Kommune eingesetzt werden. Und dort warten – siehe Vorurteil – nicht zwangsläufig reine Bürojobs auf die Verwaltungsprofis. "Wer lieber an der frischen Luft ist, bewirbt sich einfach um eine Stelle im Außendienst, kontrolliert zum Beispiel für das Ordnungsamt, ob Gaststätten den Jugendschutz einhalten, bekämpft Schwarzarbeit oder den Missbrauch von Sozialleistungen", erklärt Oliver Kröppel, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Beamtenbund-Jugend in Nordrhein-Westfalen.

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