Die Renaissance des Kochens
Seit das Fernsehen die Speisezubereitung für sich als unterhaltungstauglich entdeckt hat, sprießen Kochformate auf allen Kanälen und polieren das ehemals staubige Küchen-Image gründlich auf. Doch wie wird man eigentlich ein Tim Mälzer?Judith Strücker
Derzeit laufen mehr als 20 Kochsendungen im deutschen Fernsehen. Der ein oder andere TV-Kanal hat dieses Genre gar als Themenschwerpunkt für sich entdeckt, und dem Sender VOX bescherten innovative Konzepte wie "Das perfekte Dinner" den Deutschen Fernsehpreis 2007. Die Begeisterung flaut seitdem kaum ab. Und auch mit neueren Formaten rund ums Kochen wie "Mein Restaurant" verfolgt der TV-Konsument nicht mehr nur das Geschehen in der Küche: Er schaut den Köchen in die Töpfe, beurteilt Service, Wirtschaftlichkeit und Ambiente. Und spätestens, wenn der Zuschauer interaktiv per Telefonvoting eingreifen kann, fühlt sich so mancher vor der Mattscheibe selbst wie ein Restaurantleiter. Doch wie wird man tatsächlich ein Teil der Gastronomie?
Etwa eine Million Beschäftigte arbeiten hierzulande im Gastgewerbe. Neben dem Koch zählen zu dieser Gruppe auch Berufe wie Restaurant- oder Hotelfachmann, Hotelkaufmann, Systemgastronom und Fachkraft im Gastgewerbe. In 245.000 Betrieben arbeiten sie Hand in Hand zum Wohle des Gastes.
Koch – Herr der Töpfe
Köche bereiten nicht nur die Gerichte vom Appetithappen über das Hauptgericht bis zum Dessert zu, sie organisieren auch die Abläufe in der Küche. Sie erstellen die Speisekarte, sorgen für den Wareneinkauf, die fachgerechte Lagerung der Lebensmittel und die Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsvorschriften. Egal ob Chefkoch, Sous-Chef, Saucier oder Rotisseur – um sich in den kulinarischen Olymp kochen zu können, haben sie alle eine dreijährige Ausbildung im Gastgewerbe abgeschlossen. Sie erfolgt entweder zweigliedrig in der Berufsschule und einem entsprechenden Ausbildungsbetrieb oder rein schulisch an einer Restaurant- beziehungsweise Hotelfachschule.
Voraussetzungen für beide Ausbildungsformen sind ein guter Hauptschulabschluss oder die mittlere Reife, handwerkliches Geschick, eine schnelle Auffassungsgabe, Kreativität, Teamfähigkeit und nicht zuletzt eine gute körperliche Verfassung. Schließlich beginnt der Tag eines Kochs bereits mit der Warenanlieferung am Morgen, beinhaltet viele Stunden der Vorbereitung, gipfelt im Stress der Gästestoßzeiten am Abend und endet erst, nachdem das letzte Gericht die Küche verlassen hat und diese komplett gereinigt ist. Auch wenn es natürlich gesetzlich geregelte Pausen gibt, ist ein solcher Arbeitstag im Vergleich mit den meisten anderen Berufen sehr lang. Hinzu kommt der hohe Stressfaktor: "Man sollte nicht zu nah am Wasser gebaut sein", erklärt Jungkoch Lars Senger. "Ich habe auch schon Teller und Pfannen fliegen sehen."
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