Die Mannschaft hinter Löws WM-Elf
Durch den Elfmeter-Zettel für Jens Lehman sind die DFB-Scouts von der Kölner Sporthochschule 2006 bekannt geworden. Nun geben die Studenten alles dafür, dass es in Südafrika mit dem WM-Titel für Deutschland klappt.Stefan Moskopp
Wenn es für Ballack & Co. am 13. Juni mit dem Spiel gegen Australien ernst wird, haben Stephan Nopp und sein Team von der Kölner Sporthochschule (Spoho) ihren Beitrag zur WM in Südafrika bereits geleistet. Dann werden sie Hunderte von Spielen und noch mehr Spieler analysiert haben.
So wie vor der WM 2006. Damals wurde das Team um Urs Siegenthaler, den Chef-Spielbeobachter des Deutschen Fußballbundes, bekannt, als Jens Lehmann den berühmten Zettel aus dem Stutzen zog. Darauf stand, wie die fünf argentinischen Schützen beim Elfmeterschießen voraussichtlich ihre Schüsse platzieren würden. Während das Scouting-Team damals gerade mal aus 16 Studenten bestand, setzen sich heute 55 dafür ein, dass Jogi Löw und sein Trainerstab alles über die anderen 31 Teams bei der WM wissen. Wie ist die taktische Ausrichtung der Mannschaft, wie weit zieht sie sich bei Ballbesitz des Gegners zurück, über welche Seite laufen die meisten Angriffe, welche Schwächen und Stärken hat jeder einzelne Spieler – kurzum: Wie ist die Mannschaft zu knacken?
Drei bis vier Studenten befassen sich mit bis zu zehn Spielen einer Mannschaft. Jede Anmerkung wird mit der entsprechenden Spielsituation in einer Datenbank gespeichert. Ein einziges Spiel in alle Einzelszenen zu zerlegen und zu analysieren, dauert rund acht Stunden. Doch vor der Arbeit an den Laptops, musste zunächst ein objektiver Bewertungsmaßstab und eine gemeinsame Sprachregelung her. Wie lang ist denn ein langer Pass überhaupt, wie viele Zweikämpfe muss ein Spieler gewonnen haben, um als zweikampfstark zu gelten? Es habe mal einen Spieler in der Bundesliga mit einer Passquote von hundert Prozent gegeben, dessen Pässe also immer beim Mitspieler angekommen seien, sagt Nopp. "Hört sich erst mal super an, relativiert sich aber ganz schnell, wenn man erfährt, dass es sich bei dem Spieler um einen Innenverteidiger handelte, der immer nur 2-Meter-Pässe nach links oder rechts gespielt hat."
- Interview mit Physik-Professor Metin Tolan: "Eigentlich sind wir schon Weltmeister"
- Interview mit Nationalspielerin Bianca Rech: „Man muss auch gucken, was nach dem Fußball kommt“
- Branchen-Check Verkehr und Logistik: Planen, steuern, koordinieren
- Sportmoderator und Journalistik-Professor Michael Steinbrecher im Interview: "Ausprobieren muss erlaubt sein"
- Berufswelt Logistik: Herrscher der Verkehrswege

