Der internationale Beamte
Treffen sich zwei Beamte auf dem Flur. Fragt der eine den anderen: "Na, kannst du auch nicht schlafen?" Vorurteile über die Arbeit im öffentlichen Dienst gibt es zur Genüge. Dabei bietet Vater Staat sogar Jobs mit internationalem Flair.Daniel Schwitzer
Wenn Peter Benger in Rente geht, irgendwann um das Jahr 2045, wird er ein weltläufiger und weit gereister Mann sein. Er wird den Bürgerkrieg im Sudan gesehen und im sozialistischen Kuba gelebt, möglicherweise auch eine Zeit lang im Fernen Osten oder auf dem Fünften Kontinent verbracht haben. In Berlin wird er dem Bundeskanzler vorgestellt worden und in Washington vielleicht dem amerikanischen Präsidenten begegnet sein. Er wird interessante Menschen, fremde Sitten und Bräuche kennen gelernt haben und fünf Sprachen sprechen.
Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt ist Peter Benger erst mal 26 und seit fast drei Jahren Anwärter im gehobenen Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland. In ein paar Wochen muss er zur Laufbahnprüfung antreten. "Ganz schön viel zu lernen", klagt er, doch die Perspektive ist verlockend: Wenn er besteht, ist Peter Bengers Arbeitsplatz die Welt. Wie in jeder Behörde gibt es im Auswärtigen Amt unterschiedliche Karrierewege, die vom Bildungsstand des Bewerbers abhängen. Für eine Laufbahn im mittleren Dienst etwa reicht die Mittlere Reife aus. Beamte dieser Laufbahn erledigen vor allem Verwaltungsaufgaben, sind als Bürosachbearbeiter und in der Beschaffung von Arbeitsmaterialien tätig. Am anderen Ende der Skala steht der höhere Dienst, in den man nur mit einem fertigen Hochschulstudium gelangt. Wer sich hier bewährt, kann es sogar bis zum Konsul oder Botschafter einer Auslandsvertretung bringen oder im Berliner Ministerium eine wichtige Rolle spielen.
Für Abiturienten am interessantesten ist der gehobene Dienst, dessen Anwärter zu wahren Generalisten ausgebildet werden. Später fangen sie meist im Rechts- und Konsularbereich, beispielsweise in der Visastelle einer Botschaft, an und können sich dort bis zum Personal- und Verwaltungschef hocharbeiten. Weitere mögliche Arbeitsfelder sind wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Kultur, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Protokoll. "Wir suchen Bewerber, die weltoffen sind, sich für andere Länder und Kulturen interessieren und das politische Geschehen verfolgen", sagt Michael Cantzler, Ausbildungsleiter an der Berliner Diplomatenschule. "Außerdem müssen sie bereit sein, ein modernes Nomadenleben zu führen, denn alle drei bis vier Jahre wechseln sie den Einsatzort. Das ist schon eine weit reichende Entscheidung."
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