"Das Abi opfern? Nicht im Traum!"
Wer im Profi-Fußball erfolgreich ist, hat hinterher meistens ausgesorgt. In anderen Disziplinen bleibt dagegen höchstens der Ruhm. Deshalb braucht man einen Plan B für das Leben nach dem Sport.Daniel Schwitzer

Nachwuchs-Fechterin Stephanie in Aktion: sie trainiert täglich dreieinhalb Stunden in der Fechthalle. © EINSTIEG: Schwitzer
Julian Draxler ist 17 und der neue Shootingstar des FC Schalke 04. Im Pokal-Viertelfinale gegen Nürnberg vor ein paar Wochen schnappte sich Draxler kurz nach seiner Einwechslung in der Verlängerung den Ball und drosch ihn so unbekümmert, wie man nur sein kann, ins gegnerische Tor. Schalke war eine Runde weiter. Seit diesem Abend kennt ganz Fußball- Deutschland sein Gesicht. In den Tagen nach dem Spiel machte folgende Nachricht die Runde: Felix Magath, damals Trainer der Königsblauen, soll zu Draxlers Eltern gefahren sein und sie um ihre Zustimmung gebeten haben, Julian von der Schule zu nehmen. Ihr Sohn habe eine große Bundesliga- Karriere vor sich, das Abitur brauche er da nicht mehr.
Stephanie Suhrbier ist 18 und der Shootingstar des OFC Bonn. Auch ihr wird allenthalben eine Riesen-Karriere vorhergesagt. Den nationalen Titel in ihrer Altersklasse hat sie sich schon geholt, und gerade erst war sie bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Jordanien am Start. Dass sie hierzulande trotzdem noch vergleichsweise unbekannt ist, liegt einzig an ihrer Sportart: Stephanie Suhrbier ist Fechterin. Und Fechtkämpfe werden im deutschen Fernsehen höchstens mal während der Olympischen Spiele gezeigt. „Geld verdienen kann man damit als Sportlerin leider nicht“, sagt Stephanie. Fürs Fechten das Abitur zu opfern, auf die Idee käme sie nicht mal im Traum. Zwei Nachwuchs-Leistungssportler – zwei verschiedene Welten. Die von Stephanie Suhrbier entspricht vielleicht eher der Regel.
„Man muss sich auch mal quälen können“
Heute steht für die schlaksige junge Frau Einzeltraining auf dem Programm. Durch das engmaschige Drahtgitter der Maske ist ihr Gesicht kaum zu erkennen. 1.600 Newton – so viel gegnerische Kraft muss der Schutz mindestens aushalten. Jacke, Weste und Hose immerhin noch 800 Newton. Ohne Spezialkleidung wäre Stephanies Sport eine ganz schön gefährliche Angelegenheit. Sie schnappt sich ihren Degen, konzentriert sich und geht in Gefechtsstellung. Gemeinsam mit Trainer Martin Heidenreich übt die Athletin verschiedene Angriffs-Vorbereitungen. Dabei kommt es sowohl auf Technik als auch auf Schnelligkeit an.
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