Raus aus der Schule, rein ins Labor
Viele Hochschulen öffnen ihre Mathe-, Chemie- und Physiklabore heute regelmäßig für Schüler. Und versuchen auf diesem Weg, sie für ein naturwissenschaftlich-technisches Studium zu begeistern.Daniel Schwitzer

Vom Klassenzimmer ins Labor: Mit MINT-Projekten wird Lust auf ein naturwissenschaftlich-technisches Studium gemacht.
Wie bitte, das soll ein Spion sein? Maria Vuko steht im Wasserprüflabor der Fachhochschule Frankfurt am Main und beugt sich kritisch über ein matt glänzendes, klobiges Etwas, das ungefähr den Umfang eines Autoreifens hat und ziemlich nach Hightech aussieht. An der metallenen Außenseite lassen sich mehrere stabile Haken ausklappen, möglicherweise, um eine Kette oder ein Seil daran zu befestigen. Und nimmt man an der Oberseite den runden Deckel ab, kommen viele kleine Plastikfläschchen zum Vorschein, die akkurat im Kreis angeordnet sind. Mit Geheimagenten, wie sie die 17-Jährige aus dem Fernsehen kennt, hat dieses Gerät jedenfalls auf den ersten Blick gar nichts zu tun. Obwohl: Benutzt James Bond nicht auch immer die abgefahrensten technischen Gimmicks, um seine Gegner auszuschalten?
Hans-Joachim Plath bemerkt den ungläubigen Blick der Schülerin und beschließt, das Rätsel aufzulösen. Plath arbeitet als Chemielaborant an der Hochschule und hat ein Faible für technisches Spielzeug. Das Ding da vor ihm auf dem Tisch sei ein so genannter Kanal-Spion, in der Fachsprache auch automatischer ereignisgesteuerter Probenehmer genannt, erklärt er. Damit ließen sich zwar keine irren Schurken zur Strecke bringen, die die Welt beherrschen wollen, wohl aber Umweltsünder, die ihre giftigen Abwässer ungefiltert in Flüsse pumpen. Bei Verdacht wird der Detektor einfach in die Frankfurter Kanalisation gehängt, nacheinander an unterschiedlichen Abschnitten, immer in der Nähe von potenziellen illegalen Einleitern. Dort prüft er mittels empfindlicher Sensoren die Qualität des Wassers, das in Richtung Kläranlage fließt. Stellt der Spion ungewöhnliche Verunreinigungen fest, schlägt er sofort Alarm und nimmt eine Probe in einem der Plastikfläschchen. "Anhand der Position des Geräts können wir dann später ziemlich genau rekonstruieren, wer wohl der Übeltäter war."
Umweltsündern auf der Spur
Maria staunt nicht schlecht über den kriminalistischen Spürsinn des Dozenten. Gemeinsam mit ihren Freundinnen ist sie an diesem Morgen an die Fachhochschule Frankfurt gekommen, um mehr über die Ingenieur-Studiengänge zu erfahren, die dort angeboten werden. 2011 macht Maria ihr Fachabitur, was danach kommt, weiß sie noch nicht so genau.
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