Die Buchmacher
Ob Tommy Jaud, Frank Schätzing oder Stephenie Meyer – ihre Fans können es kaum erwarten, das neue Werk ihres Lieblingsautors in den Händen zu halten. Doch bis sie es sich damit auf der Couch gemütlich machen können, haben Lektoren, Vertrieb und Buchhändler jede Menge zu tun.Annette Kamps
Martin Mittelmeier wird von den meisten Germanistik- und Philosophiestudenten um seinen Job beneidet: Wie ein Headhunter ist er ständig auf der Suche nach neuen Autoren und Texten, von denen er glaubt, dass sie erfolgreich sein können. Als Lektor entscheidet er maßgeblich darüber, ob ein Manuskript zum Buch wird, und ist anschließend dafür zuständig, dass es auch ein gutes Buch wird – und alle Zahlen, Fakten und Zitate stimmen. Mittelmeier betreut beim Luchterhand Verlag sowohl Texte als auch deren Autoren.
Das ist nicht immer einfach: "Als Lektor muss man viele Widersprüchlichkeiten aushalten. Man muss sich einerseits für den Text begeistern, ihm aber auch sehr kritisch gegenüberstehen." Auch die Zusammenarbeit mit den Autoren birgt Konflikte. Denn Mittelmeier muss zusammen mit ihnen das Beste aus ihren Romanen und Erzählungen herausholen, gleichzeitig aber auch Druck machen, wenn der Abgabetermin naht. Der Traumjob zahlreicher Geisteswissenschaftler besteht aber nicht nur in der Arbeit mit Texten, man muss auch gut verhandeln können – mit Autoren, Agenten und Übersetzern.
Lesen, lesen, lesen
Mittelmeiers Beruf ist ein klassischer Quereinsteigerjob: Wie viele seiner Lektoratskollegen hat er nach seinem literaturwissenschaftlichen Studium Praktika in mehreren Verlagen und anschließend ein Volontariat beim Berlin Verlag gemacht. Auch danach ging es für ihn erst einmal auf Umwegen weiter: Bei Luchterhand landete er zunächst in der Presse-Abteilung, bevor es endlich mit seinem Traumberuf klappte: "Ich habe immer gedacht, dass es unmöglich ist, einen Job als Lektor zu bekommen. Doch mittlerweile habe ich auch jenseits meiner eigenen Geschichte festgestellt: Es klappt tatsächlich, immer wieder!"
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