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27. Mai 2010  
Interview mit Physik-Professor Metin Tolan

"Eigentlich sind wir schon Weltmeister"

Besser mit Neuer im Tor, Klose und Poldi im Sturm oder vielleicht doch Gomez? So kurz vor der WM in Südafrika wird Deutschland von einer Frage beherrscht: Wie werden wir Weltmeister? Doch nur einer weiß es: der Physikprofessor Metin Tolan. Stefan Moskopp

EINSTIEG: Herr Tolan, mit dem Titel Ihres Buches "So werden wir Weltmeister" lehnen Sie sich ja ganz schön weit aus dem Fenster. Wie können wir denn den Titel holen?

 

Tolan: Die Formel liefert jetzt schon die Platzierung unserer Jungs in Südafrika, berechnet aus dem Abschneiden bei den vorherigen WM-Turnieren. Im Durchschnitt hat unser Nationalteam bei allen Weltmeisterschaften den Platz 3,7 erreicht. Die Vergangenheit zeigt außerdem, dass wir alle vier bis fünf Turniere besonders weit vorn landen. Demnach sind wir eigentlich schon Weltmeister.

 

EINSTIEG: Allerdings hatten Sie den Titelgewinn doch auch schon für die WM 2006 vorausgesagt?

 

Tolan: (lacht) Richtig, nach der Formel hätte Klinsmann schon den Titel holen müssen, ist aber "nur" Dritter geworden. In die Formel hatte sich damals ein Fehler eingeschlichen, deshalb hat sie Deutschland vier Jahre zu früh für den Titel ausgespuckt. Aber jetzt stimmt alles. Auch der WM-Song von den "Sportfreunden Stiller" passt ja wieder.

 

EINSTIEG: Abgesehen von Ihrer Formel, was würden Sie Jogi Löw noch mit auf den Weg geben?

 

Tolan: Elfmeterschießen zu üben! Die Erfahrung zeigt, dass viele Spiele einer WM durch Elfmeterschießen entschieden werden. Man muss sich eines vor Augen führen: Wenn sich die Fähigkeit, einen Elfmeter zu versenken, bei allen Spielern in der Mannschaft um 10 Prozent verbessert, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass alle fünf Schützen erfolgreich sind, nicht nur um 10, sondern schon um 20 Prozent. Elfmetertraining zahlt sich also überproportional aus. Der schlechteste Schütze sollte übrigens den ersten Elfer schießen, dann der zweitschlechteste und so weiter. Denn der Druck nimmt ja von Elfmeter zu Elfmeter zu.

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InterviewPhysikFußballWM 2010

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