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01. Juni 2010  
Tierpsychologie

Die Haustierversteher

Wenn der einst so brave Hund plötzlich bissig wird oder die Katze in der Wohnung randaliert, wissen viele Tierbesitzer nicht weiter. Hilfe finden sie bei Tierpsychologen. Chris Tomas

© Nicole Thaler

Sherlock hat Angst vor Besuch. Wenn es klopft oder jemand zur Tür hereinkommt, wittert der Schäfermischling Gefahr. Er bellt, knurrt – und lässt sich nur schwer beruhigen. Um ihm die Angst zu nehmen, sucht Besitzerin Jana Rat bei der Tierpsychologin Nicole Thaler. Sie vermutet, dass Sherlock in seinen ersten Lebenswochen keine guten Erfahrungen mit Fremden gemacht hat. "Schlechte Erinnerungen können wir ihm nicht nehmen", sagt die Tierpsychologin. "Aber wir können ihm beibringen, dass von Besuchern keine Gefahr ausgeht."

 

Jedes Tier ist anders – und braucht individuelle Hilfe

Verhaltensauffälligkeiten bei Tieren können viele Ursachen haben. Sie können genetisch bedingt sein, aufgrund von Haltungsfehlern entstehen, auch die Erfahrungen der ersten Lebenswochen spielen eine Rolle. Deshalb entwickeln Tierpsychologen wie Thaler ein individuelles Therapieprogramm mit dem Besitzer. Durch ein anderes Verhalten dem Tier gegenüber sollen dessen Reaktionen zum Positiven verändert werden. Thaler behandelt nicht nur Hunde, sondern auch Katzen und sogar Kleintiere.

 

Tierpsychologe ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Viele seriöse Anbieter haben deshalb Mühe, sich von selbsternannten Tierheilern abzugrenzen. Auch Nicole Thaler kennt das Problem: "Es gibt viele fragwürdige und unseriöse Anbieter, die zum Beispiel Tierkommunikation per Telepathie oder ähnliches anbieten." Thaler selbst hat ein Fernstudium an der Schweizer Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN) absolviert. Die zweijährige Ausbildung umfasst Verhaltensbiologie, Haltung und Erziehung von Tieren sowie Trainings- und Therapieansätze. 

 

Auf eine seriöse Ausbildung achten

Zahlreiche Institute bieten heute Aus- und Fortbildungen zum Tierpsychologen an. Die Lehrinhalte sind aber oft unzureichend. "Ein Studium sollte mindestens zweihundert Lehrstunden umfassen", sagt Nicole Buske vom deutschen Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer e. V.. Fast alle Mitglieder des Vereins haben ihr Studium wie Nicole Thaler an der ATN absolviert, auch wenn das Diplom in Deutschland nicht anerkannt wird. Wer nach anderen Ausbildungswegen sucht, sollte nachfragen, ob der jeweilige Anbieter ISO-geprüft ist, also internationale Qualitätsstandards erfüllt. "Sonst besteht die Gefahr, an Scharlatane zu geraten", sagt Buske. Billig ist die Ausbildung allerdings nicht: Für ein Studium an der ATN beispielsweise müssen Teilnehmer mehrere Tausend Euro berappen. Bis sich das finanziell rechnet, vergehen meist Jahre. Tierpsychologen arbeiten in der Regel freiberuflich, und nur wenige können allein davon leben. "Dazu muss man schon sehr gut sein", sagt Thaler.

 

Schäfermischling Sherlock zumindest hat seine Angst vor Fremden durch die Therapie abgelegt. Zwar bellt er noch, wenn Besuch kommt – für einen wachsamen Hund ist das aber völlig normal.

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TierpsychologieTiereNatur

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