Ab ins Grüne!
Klimawandel und Umweltschutz sind in aller Munde – gleichzeitig steigt der Bedarf an Experten und wächst die Zahl der so genannten „grünen“ Jobs in der Umweltbranche. Wer in Umweltberufen Karriere machen möchte, sollte allerdings wissen: Ohne naturwissenschaftliches Know-how geht es nicht.Jens Tönnesmann
Am Ende der Leibnizstraße in Clausthal, auf einer Wiese, umgeben von Wäldern und nicht weit vom Pfauenteich entfernt, ist der Klimawandel gewissermaßen zu Stein und Glas geworden. Hier, mitten im Harz, steht das „Cutec“, das Clausthaler Umwelttechnik-Institut. Mitte der Neunziger Jahre auf einer Bergwiese errichtet, ist das Institut immer wieder erweitert worden und inzwischen über die Grenzen von Clausthal bekannt – etwa weil es im Jahr 2002 als erstes Großinstitut der Welt begann, seinen Energiebedarf ausschließlich aus regenerativen Energien zu decken. Mit Strom aus Wind, Wasser und Sonne, aus Holzhackschnitzeln, Biogas und Rapsöl.
Die Clausthaler waren von Anfang an ihrer Zeit voraus: Als sie den Neubau eröffneten, arbeitete knapp eine halbe Millionen Menschen in Deutschland in Umweltberufen – heute sind es nach Angaben des Bundesumweltministeriums rund 1,5 Millionen. Das sind mehr als in der Autoindustrie. Allein im Bereich erneuerbarer Energien arbeiten inzwischen rund vier Mal so viele Menschen wie noch vor neun Jahren. Und das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht. Inzwischen klagen sogar schon die ersten Unternehmen über Fachkräftemangel, und in den Job-Börsen im Internet finden sich haufenweise offene Stellen.
Umweltberufe immer beliebter
Aber nicht nur der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs ist gestiegen – auch das Interesse an Umweltberufen wächst und wächst. „Die Nachfrage nach grünen Berufen hat parallel zur Klima- und Umweltdiskussion zugenommen“, sagt Jürgen Weigel von der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit in Essen. „Und, was sehr erstaunlich ist: Immer mehr Bewerber wollen jetzt Fächer studieren, die früher ziemlich unbeliebt waren – Meteorologie zum Beispiel.“ Allerdings warnt Weigel davor, die Wahl des Studienfachs zu sehr vom Trend abhängig zu machen. „Hinter Meteorologie steckt Physik, hinter Ingenieurstudiengängen viel Mathematik“, sagt der Experte, „das sollte man vorher bedenken.“
Wen das nicht schreckt, auf den wartet heutzutage eine große Auswahl an Programmen: Der Bachelor-Studiengang „Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie“ an der Uni Hohenheim etwa beschäftigt sich ausführlich mit dem aussichtsreichen Energieträger Biomasse und ist stark von den Naturwissenschaften und Mathematik geprägt. Andere Fächer, zum Beispiel Recycling und Abfallwirtschaft, haben eher etwas mit Maschinenbau zu tun. Studiengänge wie Umweltmedizin oder Umweltökonomie schließlich gehen aus einer völlig anderen Perspektive an das Thema heran.
Wie umfassend der Oberbegriff der „Umweltberufe“ ist, zeigt das Beispiel Clausthal. Im Cutec-Gebäude ist auch das Institut für Umweltwissenschaften der Technischen Universität untergebracht. Hier finden Veranstaltungen zu allen möglichen Themen statt, die etwas mit Umwelt zu tun haben – von Vorlesungen zu Umweltpolitik, Energiepolitik und Umweltinformatik über das Seminar zur Reinigung von Brenn-, Industrie- und Rauchgasen bis hin zur Übung „Umweltschutz bei Energieumwandlungsanlagen“. Diese inhaltliche Vielfalt bestätigt zum einen, dass sich das Megathema Umwelt sowohl mit Politik- und Wirtschaftswissenschaften als auch mit Natur- und Ingenieurwissenschaften überschneidet. Zum anderen wird klar, dass Lehre und Forschung gerade in den Umweltwissenschaften oft eng verzahnt sind. Wer in Clausthal studiert, kann an den Anlagen im Cutec forschen, eigene Versuchsreihen fahren und über die Ergebnisse Studien- und Diplomarbeiten schreiben.
Schlamm trocknen, Feinstaub messen
So wie Nadine Senkel, die im vergangenen Jahr ihren Abschluss an der TU Clausthal gemacht hat – als Diplom-Ingenieurin. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sie sich mit Schlammentwässerung. „Schlamm, der aus Hafenbecken gebaggert wird, kann man nicht einfach irgendwo ablagern“, sagt sie, „man muss ihn erst mal so trocken wie möglich kriegen.“ Für ihre Untersuchungen fuhr sie nach Hamburg, brachte sich einen Kubikmeter Schlamm aus der Elbe mit, machte Experimente in Labors und schließlich im großen Versuchs-Container. Das war schon spannend, weil ich wusste, dass die Forschungsergebnisse für die Realität eine Bedeutung haben.“ Heute arbeitet Nadine Senkel im Energiepark des Cutec – einer Anlage, in der sie mithilfe von Fotovoltaikanlagen und Solar-Kollektoren, Hackschnitzelkesseln und Blockheizkraftwerken zeigen kann, wie dezentrale regenerative Energieversorgung funktioniert.
- Branchen-Check Erneuerbare Energien: Wind, Wasser und Sonne
- Jobmotor erneuerbare Energien: Alles im grünen Bereich
- Erneuerbare Energien: Studiengänge und Arbeitsmarktperspektiven: Sonnige Aussichten
- Karriere in der Solarbranche: Sonnige Zukunft
- „Energieeffiziente Systeme“ an der Fachhochschule Kaiserslautern: Ingenieure für erneuerbare Energien


