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04. März 2011  
Schauspieler simulieren Kranke fürs Medizinstudium

Frau Taler simuliert nur

Ärzte müssen bei Patienten nicht nur die Vene, sondern auch den richtigen Ton treffen. Die Uni Köln engagiert Schauspieler, damit ihre Studenten im Medizinstudium das Kommunizieren lernen. Daniel Schwitzer

Donnerstagmorgen in einer Stadt irgendwo in Deutschland. Der Wetterdienst hat dichtes Schneetreiben vorhergesagt. Einmal noch Schnee sehen, denkt Frau Taler. Die Patientin liegt in Zimmer 1.003 der Uniklinik, die Hände auf der Bettdecke gefaltet, und atmet schwer. Lungenkrebs, fortgeschrittenes Stadium. Die zweite Chemotherapie hat nicht mehr angeschlagen, und operieren ist aussichtslos, da die aggressiven Tumorzellen längst das Rückenmark befallen haben. Einmal noch Schnee sehen!

Unter dem Licht der Neonröhre wirkt die zierliche Patientin in ihrem weißen Nachthemd schon fast wie ein Geist. Für Frau Taler gibt es keine Hoffnung auf Heilung mehr, das weiß sie seit Anfang der Woche.

 

Wie sagt man einem Menschen, dass er bald sterben wird?

Wie bringt man einem Menschen bei, dass er unheilbar krank ist? Für Marie Baltes wird diese schwierige Aufgabe wahrscheinlich irgendwann zum Berufsalltag gehören. Baltes studiert Medizin in Köln und startet demnächst ins PJ. Das Praktische Jahr ist sozusagen der Realitäts-Check im Krankenhaus, den jeder angehende Arzt am Ende seines Studiums durchläuft. Dann muss die 24-Jährige zeigen, dass sie das Wissen aus ihren Lehrbüchern und die Fertigkeiten, die sie zehn Semester lang an Modellen geübt hat, auch in der Praxis anwenden kann. Denn es macht schon einen Unterschied, ob man einem echten Patienten Blut abnimmt oder nur einem Plastik-Dummy die Kanüle in den Unterarm sticht.

Zum ärztlichen Einmaleins gehört aber nicht nur, Spritzen zu setzen, den Blutdruck zu messen, Diagnosen zu stellen und Medikamente anzuordnen. Fast genauso wichtig wie das medizinische Know-how ist es, beim Patienten den richtigen Ton zu treffen. Gerade im Erstgespräch muss der Arzt möglichst viele Informationen zur Krankengeschichte und den Symptomen des Patienten sammeln. Fühlt der sich in der Gesprächssituation nicht wohl, so vergisst oder verschweigt er vielleicht wichtige Details, was zu einer falschen Diagnose führen kann. Darüber hinaus ist das Gespräch bereits Teil der Therapie: dem Patienten Ängste nehmen, ihm Hoffnung geben, ihn trösten – auch das müssen Ärzte leisten. "Wenn man noch unerfahren ist, fällt einem das schwer", sagt Marie Baltes. "Aber durch viel Übung bekommt man selbst im Umgang mit todkranken Patienten einegewisse Sicherheit und Professionalität."

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