Die Video-Puzzler
Hinter der Kamera stehen, die richtigen Bilder und Töne einfangen oder einen eigenen Film produzieren: Mediengestalter müssen kreativ sein – und Durchhaltevermögen haben. Denn der Arbeitsmarkt ist überlaufen.Steffen Meyer

Mediengestalter Biagio setzt bei der Postproduktion die passenden Schnitte. © cydonna / photocase.de
Biagio Incremona sitzt seit Stunden in einem Raum ohne Fenster, er weiß nicht, ob es draußen hell oder dunkel ist – doch das ist ihm egal: Sein Blick richtet sich nur auf den Computer-Monitor. Er tippt auf der Tastatur, bewegt die Maus. Auf dem Bildschirm verschieben sich ein paar Farbbalken. Dann drückt er die Leertaste und ein Video startet – doch nur wenige Sekunden, dann drückt Biagio erneut auf die Taste und das Bild rastet ein. "Der Übergang passt noch nicht ganz", sagt der 24-Jährige, legt die Hand wieder auf die Maus, verringert die Größe eines Balkens und damit die Länge des Video-Schnipsels.
"Wenn's am Ende passt, bin ich stolz"
Biagio absolviert eine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton. Er ist im ersten Lehrjahr bei einem lokalen Fernsehsender in Dortmund. In seiner Ausbildung erlernt er das Film- und Fernseh-Handwerk: Er geht auf Drehtermine und filmt dort mit einer professionellen Kamera. Dabei gibt es vieles zu beachten, etwa die passende Einstellungsgröße mit Nahaufnahmen und Totalen oder den Bildaufbau mit Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Wichtig ist auch der so genannte Weißabgleich: Dabei hält Biagio ein weißes Blatt Papier vor die Kamera und betätigt einen Knopf – die Kamera ermittelt dann die Farbtemperatur des Lichts und die dazu passenden Farbeinstellungen. Ohne Weißabgleich könnten die Aufnahmen farbstichig werden. "Das Bild erscheint dann zum Beispiel bläulich gefärbt", erklärt der 24-Jährige.
Biagios große Leidenschaft ist aber die Arbeit nach dem Dreh, die so genannte Postproduktion. Er verbringt gern Stunden im Schnittraum, um die verschiedenen Video-Schnipsel zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Er reiht Bilder an Bilder, regelt den Ton, setzt Überblendungen und Effekte ein – und schmeißt bisweilen am Ende alles noch mal um. "Das ist wie ein Puzzle", sagt er. "Wenn schließlich alles passt, bin ich stolz und glücklich." Biagios Ratschlag: Man muss Geduld mitbringen und Spaß an der Arbeit haben, denn ab und zu werden aus eingeplanten zwei Stunden auch mal vier.
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