Hinter der Bühne wird gezaubert
Zu einer perfekten Vorstellung gehören nicht nur die perfekten Künstler auf der Bühne. Hinter der Bühne arbeiten Kostüm-, Masken- und Bühnenbildner, Tonmeister und Regisseure fleißig wie die Ameisen. Ins Rampenlicht geraten sie selten.
Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind nackt, kalt und ohne Glanz, gesäumt von einem schweren, staubigen Vorhang aus Teppichstoff. Bevor hier Schauspieler in die Rolle eines Mephisto oder König Lear schlüpfen können, muss allerhand passieren. Dafür zuständig sind die Bühnenbildner. Am Anfang ihrer Arbeit steht das Lesen und Recherchieren, damit die Kulisse zum Stück passt. Die zündende Idee wird dann in Skizzen oder einem Modell aus Pappe, Holz oder Kunststoff festgehalten. Die Gestaltung eines Bühnenbildes erfordert neben architektonischer Begabung Kenntnisse der Kunstgeschichte, Stillehre und Theaterwissenschaft. Verträgt sich die Kreativität des Bühnenbildners mit den Vorstellungen des Regisseurs und mit dem Budget des Theaters, können die Handwerker der Theaterwerkstatt endlich loslegen.
Vorher reinschnuppern!
Bühnenbildner werden kann man an der Berufsfachschule "Die Etage - Schule für die darstellenden Künste e.V." in Berlin oder per Studium an einer Kunsthochschule oder Kunstakademie. Grünschnäbel haben es jedoch überall schwer: Die meisten Hochschulen und Akademien verlangen, dass der Student schon einmal in sein späteres Metier hineingeschnuppert hat. "Ich musste ein Praktikum machen, bevor ich mein Studium beginnen konnte", sagt Sybille Schütter. Die 23-Jährige lernte die Praxis ein halbes Jahr lang an der Bayerischen Theaterakademie kennen, bevor sie in München Bühnenbild, Werklehre, Kunstgeschichte, Zeichnen und Theatertechnik büffelte. Während des Hauptstudiums muss sie in zweisemestrigen Projekten ihre Bühnentauglichkeit unter Beweis stellen. Wer das zehnsemestrige Studium geschafft hat, ist Diplom-Bühnenbildner.
Kostüme auf die Bühne
Doch eine noch so schöne Bühne nützt nichts, wenn König Lear in einer klassischen Aufführung mangels Kostüm in Jeans und T-Shirt auf die Bühne stiefeln muss. Deshalb arbeiten Bühnen- und Kostümbildner Hand in Hand. Robert Schrag ist beides in Personalunion und kennt die Tücken beider Berufe: "Es ist manchmal unheimlich schwer, die Idee aus dem Kopf in die Hand zu dirigieren und auf Papier zu bringen." Genau wie die Bühnenbildner zeichnen die Kostümbildner ihre Einfälle auf Papier, Kopfschmuck und Schuhe inklusive. "Nicht nur die Literatur, auch die Malerei, besonders die Alten Meister, sind eine gute Quelle", sagt der 33-jährige Schrag. Neben diesem klassischen Weg der Ideenfindung schwören Kostümbildner natürlich auch auf Kreativität, und sei sie noch so abgedreht. Sind die Entwürfe abgesegnet, können die Schneider - kontrolliert und korrigiert vom Kostümbildner - mit der Arbeit beginnen.
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