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11. Juni 2010  
Wege in die Modebranche

Den Trends auf der Spur

Wer in der Modebranche arbeiten will, braucht neben Spaß an Fashion vor allem ein Gespür für Trends. Aber auch wirtschaftliches Know-how darf nicht zu kurz kommen. Nicole Lücke

Mayouri Sengchanh

Feierabend kennt Mayouri Sengchanh nicht. Ob sie ins Kino geht, Nachrichten guckt oder durch die Stadt bummelt, unentwegt scannt sie ihre Umgebung. Denn die gebürtige Französin ist ein Trendscout. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dominique Cherpin leitet sie die Exalis GmbH in Köln. Exalis ist die deutsche Vertretung von Carlin International, einem der wichtigsten Trendbüros der Welt. "Ich muss immer das Neue suchen und verstehen", sagt Mayouri Sengchanh, "in den Bereichen Wirtschaft, Fashion, Produktdesign, aber auch Literatur, Lifestyle, Kino und Musik." Denn Mode-Trends hängen eng mit der gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. So wollen sich die Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten häufig durch bunte Kleidung aufheitern. Das ist allerdings sehr vereinfacht dargestellt, tatsächlich ist Mayouris Arbeit viel komplizierter. Zweimal im Jahr trifft sie sich mit Kollegen aus 25 Ländern in Paris, wo sie ihre Informationen analysieren und Trends entwickeln - zwei Jahre im Voraus. Denn so lange dauert es normalerweise vom Design für einen Stoff bis zum fertigen Kleid im Laden. 

 

Viele Trendscouts haben Modedesign studiert, Voraussetzung ist das aber nicht. "Am wichtigsten ist es, sich einen Überblick zu verschaffen: vom Design bis zum Verkauf des Produkts", findet Mayouri Sengchanh. Sie hat daher Internationale Wirtschaftswissenschaften studiert und parallel in Modefirmen gearbeitet, vor allem im Produkt- und Vertriebsmanagement. Ein Trendscout sollte schließlich auch in der Lage sein, der Industrie Tipps zu geben, wie sie die Trends am besten umsetzt.

 

Design braucht eine Verkaufsstrategie 

 

Die Berliner Trend-Academy bietet einen eigenen Studiengang zum Trendscout an, doch ein wirtschaftliches Studium eröffnet weitere Möglichkeiten, beispielsweise eine Karriere als Produkt- oder Brand Manager. Der Produktmanager hat die Aufgabe, die Strategie für ein Produkt festzulegen, also zum Beispiel, wie modern die Schuhe einer Marke aussehen sollten. Wie groß muss die Kollektion sein, und welche Marketingmaßnahmen wären ideal? Dafür arbeitet er eng mit Designern, Marketing-Fachleuten und der Produktion zusammen. In großen Unternehmen gibt es häufig noch einen Brand Manager. Er legt die Strategie für die gesamte Marke fest, bestimmt also, für welche Altersgruppe bestimmte Produkte gedacht sind und in welcher Preislage sie sich bewegen dürfen. Er achtet darauf, dass alle Produkt-Linien zum Image des Labels und zur Zielgruppe passen. Die Modelle von Diesel müssen zum Beispiel „cool“ sein, unabhängig davon, ob es sich um Schuhe, ein Parfüm oder eine Jeans handelt. Produkt- und Brandmanager müssen also sowohl mit Zahlen umgehen können als auch verstehen, was die Leute kaufen wollen.

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