Zum Spielen berufen
Spielen ist das Gegenteil von Arbeit, dachte man bislang. Doch die Computergame-Branche boomt und schafft reihenweise interessante Jobs. Spezielle Studienprogramme gibt es fast ausschließlich an privaten Schulen.Daniel Schwitzer
Als der amerikanische Computer-Tüftler Nolan Bushnell Anfang der 70er Jahre das Videogame „Pong“ erfand – eine Art Tischtennis mit zwei senkrechten Strichen als Schläger und einem kleinem weißen Ball auf schwarzem Hintergrund–, da war er sich sicher, den großen Coup gelandet zu haben. Doch der Spielautomaten-Hersteller Midway Incorporated, dem Bushnell das simple Programm anbot, winkte ab. Die Begründung damals: Videogames würden sich gegen mechanische Spiele wie etwa Flipperautomaten in Zukunft nicht durchsetzen können. Eine Entscheidung,die Midway später bitter bereuen sollte. Denn Nolan Bushnell ließ sich nicht entmutigen, gründete kurzerhand sein eigenes Unternehmen und brachte das Spiel auf den Markt. Ergebnis: Pong wurde ein riesiger kommerzieller Erfolg und Bushnells Firma Atari der weltweite Vorreiter in Sachen Computerspiele.
Wenn Tobias Breiner heute Lust auf Zocken hat, dann spielt er Pong. „Die Klassiker machen mir nach wie vor einfach am meisten Spaß“, erzählt er. Doch nicht nur in seiner Freizeit, auch im Beruf beschäftigt er sich mit Computer-Games. Breiner ist mit seinen gerade mal 32 Jahren schon Professor und unterrichtet an der privaten SRH Hochschule Heidelberg Game-Entwicklung. Innerhalb von neun Trimestern lernen die Studierenden das gesamte Spektrum der Game-Produktion: von Kreativtechniken für die Spielidee über Konzeption, Prototyping, 3D-Modellierung, Animation und Programmierung bis hin zu Postproduktion und Vermarktung. Der Studiengang endet mit dem Bachelor of Science in Informatik. Absolventen besitzen danach das nötige Handwerkszeug, um bei einem der zahlreichen Entwicklungsstudios in Deutschland oder weltweit anzufangen. Und nicht nur dort. „Auch in den verwandten Sparten werden Leute gesucht, zum Beispiel für die Spezialeffekte in Film und Fernsehen oder für Werbeanimationen“, weiß Breiner.


