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06. Oktober 2010  
IT und Informatik

Mein Kollege, der Computer

In welchen Jobs arbeiten eigentlich Informatiker? Wir stellen euch drei junge Menschen vor, die tagtäglich mit Bits und Bytes hantieren. Andreas Menn

Tobias Scherer in der Fertigungsstraße seines Arbeitgebers Ford.

Ohne das Plant IT Team, in dem Tobias Scherer arbeitet, stünden die Bänder in den Kölner Ford-Werken still. Der 31-Jährige betreut zusammen mit seinen Kollegen in der Autofabrik die IT-Systeme, mit deren Grips aus tausend Teilen ein Auto wird.

 

EINSTIEG Abi: Herr Scherer, in den Kölner Ford-Werken bauen Monteure täglich rund 1.800 Fahrzeuge zusammen. Wie viel Informationstechnologie braucht es, um die Produktion am Laufen zu halten?

Scherer: Ohne IT ist die Auto-Produktion heute unvorstellbar. Nahezu jeder Arbeitsschritt ist automatisiert. Denn jedes Auto wird eigens nach Kundenwünschen zusammengestellt: Farbe, Motorleistung, Karosserieform, Getriebe, Sitzheizung und noch vieles mehr kann sich der Autokäufer selbst aussuchen. Nur dank unserer Computersysteme finden in der Fertigung alle Teile so zusammen, dass am Ende das individuelle Wunschauto herauskommt.

 

EINSTIEG Abi: Wie funktioniert dieses Riesen-Puzzle?

Scherer: Jedes der vielen tausend Bauteile, von der kleinsten Schraube bis zur größten Motorhaube, ist in einer Datenbank erfasst. Logistik- Software stellt sicher, dass immer das richtige Teil genau dann bereitliegt, wenn ein Monteur in der Fertigungsstraße es gerade braucht. Die Türen etwa wandern auf einer separaten Produktionslinie durch die Fabrik und werden erst am Schluss montiert. Aber sie landen immer am richtigen Auto...

 

EINSTIEG Abi: ...weil der Computer sie dorthin lotst.

Scherer: Genau. Die IT-Systeme wissen exakt, wo sich welches Auto auf der Produktionsstraße gerade befindet. Soll dann etwa ein bestimmter Scheinwerfer eingebaut werden, sagt das System dem Mitarbeiter sofort, wo er das Bauteil finden kann. Im Vorrats-Regal leuchtet am entsprechenden Fach eine Lampe auf, und ein Bildschirm zeigt zusätzlich Informationen zu dem benötigten Bauteil an. Das Computersystem ist sogar an die elektrischen Schraubendreher angeschlossen und stellt für jeden Arbeitsschritt das Drehmoment automatisch ein.

 

EINSTIEG Abi: Welche Rolle spielen Sie als Informatiker dabei?

Scherer: Meine Kollegen und ich betreuen das Netzwerk und die Server, auf denen die Produktions-Systeme der gesamten Fabrik laufen. Wir spielen Sicherheits-Updates auf und Patches, also Nachbesserungen der Software. Wir binden neue Geräte in das Netzwerk ein. Und wir beseitigen Fehler: Sobald es irgendwo Probleme gibt, läuten die Telefone bei uns Sturm. Dann müssen wir blitzschnell reagieren, sonst steht womöglich die gesamte Produktion still.

 

EINSTIEG Abi: Mit welchen Programmiersprachen arbeiten Sie?

Scherer: Im Alltag habe ich mit Java und C++ zu tun, außerdem mit XML und HTML. Das Programmieren steht aber nicht im Mittelpunkt. Denn in meinem Job bin ich an der Schnittstelle zwischen den Monteuren, die mit dem System arbeiten, und den Programmierern, die die Software schreiben. Häufig gebe ich Vorschläge aus der Montage via Telefon und E-Mail an Software-Entwickler in anderen Ländern weiter, die unser Werk noch nie von innen gesehen haben. Ich bin sozusagen Übersetzer zwischen zwei Welten.

 

EINSTIEG Abi: Wie behält man bei einem so umfangreichen Computer-System den Überblick?

Scherer: Man muss das komplexe Denken beherrschen. Gutes Teamwork ist gefragt. Und man muss sich viel unterhalten mit den Leuten, die an der Produktionslinie arbeiten. Dann versteht man, wie ein Auto überhaupt entsteht, vom Stahlrohr über Presse, Stanze, Lackierung und die Endmontage. Das fasziniert mich jeden Tag aufs Neue.

 

Tobias Scherer (31) hat nach dem Schulabschluss bei den Ford-Werken in Saarlouis eine Ausbildung als Energieelektroniker absolviert. Im Jahr 2009 wechselte er auf eine Stelle als Systemanalytiker für die Werksfertigung nach Köln. Dort ist Scherer mitverantwortlich für die IT-Systeme der Autofabrik. Neben seiner Arbeit studiert Scherer Informatik im Fernstudium an der Wilhelm-Büchner-Hochschule in Darmstadt. Im Juli hat er den letzten Teil seiner Diplom-Prüfung begonnen.

Schlagworte:
 
ITInformatikMaschinenbauBWL

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