Schaffe, schaffe, Häusle baue
Alles mau auf dem Bau? Wer fasziniert ist von Zeichenbrettern und Kränen, sollte sich durch schlechte Nachrichten aus der Branche nicht abschrecken lassen.
»Es gibt es eine Reihe von Berufen rund um den Bau, die gute Zukunftsperspektiven bieten«, sagt Boris Engelhardt, Ausbildungsreferent im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Doch Branchenkenner schränken ein: Auf die Auswahl des Studiengangs kommt es an, ebenso auf Praxisbezug während des Studiums und den Erwerb von Zusatzkenntnissen. Abiturienten, die später Baupläne entwerfen oder auf einer Baustelle arbeiten wollen, ihr Geld als Stadtplaner, Statiker oder Bauphysiker verdienen möchten, können zwischen zwei Studiengängen wählen: Architektur oder Bauingenieurwesen.
Ein Studium, vier Berufe
Egal, ob es um ein Haus, einen Flughafen oder ein unterirdisches Kanalisationsnetz geht: Vor dem Bau kommt der Entwurf. Der Architekt setzt die Wünsche des Bauherren in Pläne um und sucht anschließend eine Baufirma, die seine Pläne in Beton, Stahl und Glas umsetzt. Vom Einsatz des ersten Baggers bis zur letzten Schleifmaschine überwacht und kontrolliert er dann das Baugeschehen und die Einhaltung von Terminen und Budget.
Im Gegensatz zu den Architekten gestalten Innenarchitekten vorrangig die Innenräume von Gebäuden. Landschaftsarchitekten kümmern sich um die Gestaltung von Freiflächen - vom Hinterhausgarten bis hin zum Botanischen Garten. Stadtplaner, auch Regional- oder Raumplaner genannt, bestimmen, was wo wie gebaut werden darf. Sie entwerfen Bebauungspläne oder städtebauliche Gutachten.
Im Grundstudium lernen alle das Gleiche: Unter anderem Baustoffkunde und die Grundlagen des Entwurfs. Studienanfänger sollten gute Mathenoten und räumliches Denkvermögen mitbringen und gut zeichnen können. Denn im Grundstudium stehen die Studenten die meiste Zeit am Zeichenbrett und bauen Modelle ihrer Entwürfe. Im Hauptstudium orientieren sich die Lerninhalte an der jeweiligen Fachrichtung: Bei den angehenden Architekten sind das Fächer wie Gebäudeentwurf oder Baukonstruktion. Innenarchitekten müssen sich mit Möbelbau oder Lichtplanung auseinandersetzen. Landschaftsarchitekten pauken Ökologie und Pflanzenkunde, Stadtplaner Stadtökologie oder Verkehrsplanung.
Beruf im Wandel
Mehr Schwarzbrot als Kuchen gibt es für fertige Architekten und nur die Wenigsten werden mit kühnen Entwürfen à la Sir Norman Foster oder Frank O. Gehry zu Architektur-Superstars. Das Gros der Architekten leistet bei Altbausanierung oder Industriebau handfeste Kleinarbeit: Bauanträge einreichen, Kosten kalkulieren, Handwerkertermine koordinieren. Während an der Uni Kreativität gefragt ist, punktet im Berufsleben in erster Linie Projektmanagement. Das Studium hinkt der Realität hinterher, bemängeln Kritiker: Lehrpläne von Unis und Fachhochschulen sehen so aus, als würde der Architekt später hauptsächlich spektakuläre Gebäude entwerfen. »Man kann Architektur studieren, ohne jemals etwas von Bauleitplanung oder Projektmanagement gehört zu haben«, kritisiert der Architekt Stefan Gaschler aus Karlsruhe. »Manche Absolventen wissen nicht, wie man Termine oder Kosten kalkuliert. Dabei ist das in der Praxis das Wichtigste.« Tatsächlich schreiben die Studienordnungen lediglich drei bis sechs Monate Praxiserfahrung vor. Weil er das schon als Student geradezu absurd wenig fand, arbeitete er regelmäßig nebenbei in Architekturbüros.
Ohne Extras keine Chance
Die Fachhochschule Mainz hat das Defizit erkannt und bietet seit einigen Semestern den dualen Studiengang Architektur an. Zwei Tage pro Woche sind die Studenten an der FH, drei Tage arbeiten sie in einem Architektur- oder Planungsbüro bzw. bei einer Behörde. Der duale Studiengang dauert mindestens elf Semester, liegt damit aber immer noch unterhalb der durchschnittlichen Studiendauer von 14 Semestern. Eine anspruchsvolle Marathonausbildung, bei der nur die Besten hinterher auch den ersehnten Job bekommen. »Architektur sollte nur studieren, wer es wirklich unbedingt will«, rät Christoph Münzer, Geschäftsführer der Bundesarchitektenkammer. »Und dann muss man entweder besser oder anders als die Kommilitonen sein.«
Bauingenieurwesen: »Studium mit Jobgarantie«
Wesentlich bessere Berufsaussichten haben angehende Bauingenieure. »In den vergangenen Jahren haben durchschnittlich 3.000 Bauingenieur-Studenten ihren Abschluss gemacht. Unternehmen, Ingenieurbüros und Verwaltung brauchen Jahr für Jahr aber mindestens 5.000 Absolventen«, sagt Boris Engelhardt vom Hauptverband der Bauindustrie. »Hochqualifizierte Mitarbeiter sind auf dem Bau nach wie vor gefragt.« Deswegen wirbt er für das »vielseitige Studium mit Jobgarantie«.
»Reine« Bauingenieure planen den Bauprozess, machen statische Berechnungen und kontrollieren, ob auf der Baustelle alles nach Plan läuft. Hier überschneiden sich die Aufgaben von Bauingenieuren und Architekten: Beide Berufsgruppen arbeiten als Bauleiter auf den Baustellen, bei den Architekten liegen Planung und Entwurf aber im Vordergrund. Je nach dem, welchen Studienschwerpunkt sie wählen, sind Bauingenieure aber auch Spezialisten für bestimmte Bereiche. Bauphysiker beispielsweise berechnen Lärmschutzwände oder die optimale Wärmedämmung für ein Gebäude.
Selber Hand anlegen
Zwar schreiben Universitäten den Bauingenieuren in spé zwischen zwei und vier Monate Praxisanteil vor und an den Fachhochschulen ist ein Praxissemester Pflicht. »Aber«, moniert der Marburger Bauunternehmer Christoph Scheld, »der Praxisbezug im Studium reicht absolut nicht aus. Im Unternehmen sehen die Studenten oft zum ersten Mal den ganzen Prozess des Bauens: Vom Fundament bis zu den Giebelspitzen.« Außerdem sei es wichtig, betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu erwerben: »Schließlich muss man die Kosten ständig im Griff haben.« Ein Bauingenieur müsse viel leisten, betont Scheld. Dafür aber langweile er sich garantiert nie: »Morgens holt man sich auf der Baustelle dreckige Schuhe, nachmittags verhandelt man im Rathaus mit dem Bauamtsleiter - beim Bau ist kein Tag wie der andere.«
Hauptverband der Deutschen Bauindustrie
Kurfürstenstraße 129
10785 Berlin
Telefon: 030/212 86-0
Bundesarchitektenkammer
Askanischer Platz 4
10963 Berlin
Telefon: 030/263 944-0
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