Kämpfernaturen gesucht
Architekten planen, Bauingenieure realisieren die Pläne. Für beide Berufe braucht man viel Ehrgeiz: Denn auch, wenn der Staat momentan versucht, die Konjunktur anzukurbeln – der Bausektor bleibt ein hart umkämpfter Markt.Hanna Koch
"Die Zahl der offenen Stellen für Bauingenieure und Architekten ist 2009 auf einen Rekordstand gestiegen", meldet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Dass es zum Jahreswechsel ca. 14.000 offene Stellen gibt, liegt aber in erster Linie am Konjunkturpaket des Bundes: Die Gelder werden für den Bau von Straßen, Brücken und öffentlichen Einrichtungen ausgegeben. Und dafür sind Experten gefragt, die sich mit Planung, Sanierung und nachhaltigem Bauen auskennen.
Ohne das Geld vom Staat wäre die Lage der Branche allerdings angespannt: Schon seit Jahren gehen Investitionen im Wohnungs- und Bürobau zurück. "Vor 15 Jahren hatte ich noch drei Angestellte in meinem Architekturbüro", erzählt Rainer Angsten. "Heute arbeite ich alleine oder mit freien Mitarbeitern." Seit über 30 Jahren arbeitet der Hunsrücker als selbstständiger Architekt und entwirft Pläne für Wohnhäuser sowie kommunale und gewerbliche Bauten. "Aber davon alleine kann ich nicht leben", sagt Angsten. Er übernahm den Baubetrieb seines Vaters: "Ich plane als Architekt und baue als Bauunternehmer", erklärt der 55-Jährige. Seinen Kunden kann er Häuser schlüsselfertig übergeben: "Ich biete Komplettpakete an". Doch selbst damit kann der Architekt nicht alle Kosten decken. Also hat er sich zum Sachverständigen für das Maurer- und Betonbauerhandwerk weitergebildet. Außerdem ist er in der Denkmalpflege tätig. "Es ist wichtig, breit aufgestellt zu sein", findet Angsten.
Leistungsbereitschaft zählt
Um sich in der Baubranche zu behaupten, ist Durchhaltevermögen gefragt. "Wer das studieren will, sollte eine Kämpfernatur sein", meint Architekt Angsten. Das glaubt auch Oliver Broschart, Studienberater an der Universität Karlsruhe. Die Leistungsbereitschaft sei hoch, gerade unter Architekturstudenten: "Die sitzen schon mal bis fünf Uhr nachts an ihren Entwürfen." Wer soviel Einsatz zeige, werde dafür am Arbeitsmarkt belohnt, meint der Experte. "Besonders Studenten, die ihr theoretisches Wissen an der Uni durch Praktika festigen, haben später gute Chancen." Broschart rät nicht vom Architekturstudium ab: "Wenn Sie ein hohes gestalterisches Interesse haben und sich gleichzeitig für Technik begeistern können, ist das die richtige Wahl".
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