Gefragte Spezies
In Deutschland fehlen rund 25.000 Ingenieure. Längst brauchen die Unternehmen nicht mehr nur Tüftler und Bastler – der Beruf wird immer facettenreicher.Nils-Viktor Sorge
Wenn bei Airbus in Toulouse ein nagelneuer A320 abhebt, blickt Michael Duschl dem Jet manchmal noch kurz hinterher. "In dem Moment fällt schon eine Last von mir ab", sagt der 28-jährige Wirtschaftsingenieur. Bei dem Luftfahrtkonzern sorgt er als Abteilungsleiter dafür, dass die Kabinen der Jets tiptop in Ordnung sind, wenn eine Airline die Maschine übernimmt. Drei Tage prüft sein Team, ob etwa die Gepäckfächer in Ordnung sind,die Lautsprecher funktionieren und alle Extrawünsche berücksichtigt sind. "Manchmal wird das ganz schön stressig", sagt Duschl, der Chef von 27 Mitarbeitern ist. Umso besser fühlt er sich, wenn alles geklappt hat.
Von ähnlichen Situationen berichten fast alle Ingenieure: Ob ein Flugzeug abhebt, eine Brücke erstmals befahren wird, oder ein Chip im Auto den elektrischen Fensterheber einwandfrei steuert: Aus Anspannung wird Erleichterung, wenn funktioniert, woran zuvor Tage, Wochen, manchmal Jahrelang gearbeitet wurde. "Ich bin richtig zufrieden, wenn die Kollegen sagen, dass der Sound im Auto gut klingt", sagt Lars Kurandt (33), der bei der US-Firma Harman bei Karlsruhe Software entwickelt, die den Klang von Soundsystemen und Navigationsgeräten im Auto zu verbessern hilft.
Ein paar Jahre, bevor es zu solchen Erfolgserlebnissen kommt, stehen Studienanfänger jedoch vor einer kaum überschaubaren Menge an Studiengängen, Spezialisierungen und Branchen, in denen Ingenieure tätig sind. Die größte ausgewiesene Gruppe ist bezeichnenderweise die der "sonstigen Ingenieure", erst danach kommen die Elektroingenieure, dann die Maschinen- und Fahrzeugbauer.
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