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14. Januar 2009  
Religion studieren

Von wegen angestaubt

Sie gehören zu den ältesten Fächern überhaupt und beschäftigen sich dennoch mit hochaktuellen Fragestellungen: Studiengänge mit dem Schwerpunkt Religion. Manche sind zurzeit sogar sehr gefragt – etwa Islamwissenschaften. Jens Tönnesmann
Religion studieren

Religion studieren ist keine staubtrockene Angelegenheit. ©Tim Grondstein@pixelio.de

Israel, Ägypten, Türkei, Syrien – es gibt kaum ein Land im Nahen Osten, in dem Kristian Brakel nicht schon gewesen ist. Ramallah in Palästina ist seine nächste Station. Dort wird er als Referent für Demokratieförderung in der Vertretung Deutschlands palästinensische Parteien und Nichtregierungsorganisationen beraten. Dass die Region wegen Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischer Armee immer wieder in die Schlagzeilen gerät, stört ihn eher wenig: „Ramallah ist verhältnismäßig ruhig“, sagt Brakel, „ich kann es kaum erwarten, dass die Arbeit los geht.“

 

Brakel ist Experte für Länder, in denen Muslime leben: Er hat in Hamburg Islamwissenschaften studiert. Zunächst eher zufällig: „Nach dem Abi wollte ich eigentlich Schauspiel studieren, habe es zwischendurch mal mit Japanisch probiert und auch überlegt, Journalist zu werden“, erzählt er. „Aber nach einem Urlaub in Marokko habe ich beschlossen, Arabisch zu lernen und mich für Islamwissenschaften eingeschrieben.“Die ersten Veranstaltungen sagten ihm gleich zu: „Die Mischung aus Religion, Kultur und Geschichte ist einfach sehr spannend, auch wenn die Sprachen viel Fleißarbeit bedeuten.“ Nicht nur Arabisch, auch Türkisch und Hebräisch lernte Brakelin seiner Zeit an der Uni. Und während seiner Auslandsaufenthalte: „Man sollte auf jeden Fall Zeit in islamischen Ländern verbringen“, sagt er, „so lernt man die Sprachen schneller und erhöht seine Jobchancen.“

 

Islam-Experten sind gefragt

 

Islamwissenschaften sind in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden, etwa 25 Unis bieten das Fach hierzulande inzwischen an. Ein Grund dafür ist, dass der Dialog zwischen westlicher und islamischer Welt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und den Konflikten in Afghanistan und im Irak immer mehr Menschen beschäftigt. Internationale Organisationen stellen mehr Islam-Experten ein als früher. Aber auch innerhalb Deutschlands ist das Zusammenleben von Christen und Muslimen eine hochaktuelle Frage. Das spiegelt sich auch im Studienangebot wider: an der Uni Münster gibt es das Fach „Islamunterricht“, in dem Lehramts-Studenten lernen, das Wissen um den Islam und muslimische Glaubensinhalte an Schulen zu vermitteln. In „Islamkunde“ erklären sie Schülern später dann zum Beispiel, warum Muslime im Ramadan fasten.

 

Auch andere Studiengänge beschäftigen sich mit Glaubensfragen. Zum Beispiel Religionswissenschaften oder Religionslehre, die man an über 200 Hochschulen von Aachen bis Würzburg belegen kann. Darin kann es genauso um Europäische Religionsgeschichte gehen wie um die Erforschung einzelner Glaubensrichtungen zu einer bestimmten Zeit. Während sich Religionswissenschaften aus kulturwissenschaftlicher Sicht und kirchlich ungebunden mit Religion beschäftigen, werden Studierende in Religionslehre zu Religions-Lehrern ausgebildet.

Die Klassiker unter den religionsbezogenen Studiengängen sind aber die beiden Studiengänge Evangelische und Katholische Theologie, die man hierzulande an etwa 170 verschiedenen Hochschulen studieren kann und die zu den ältesten Fächernüberhaupt gehören. Mit zwei Klischees, die häufig mit der altehrwürdigen Theologie in Verbindung gebracht werden und auf manchen abschreckend wirken, kann an dieser Stelle übrigens aufgeräumt werden. Erstens: Wer Theologie studiert, muss automatisch Priester oder Pfarrer werden. Zweitens: Wegen ihres hohen Alters beschäftigen sich beide Fächer nicht mit aktuellen Fragestellungen.

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ReligionTheologieIslamwissenschaftenKultur

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