Unterrichten ist nicht alles
Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei, zehn Wochen Ferien im Jahr und sind unkündbar. Vorurteile und vermeintlich gute Gründe, Lehrer zu werden, gibt es viele. Doch wie sehen ein Lehramtsstudium und der Berufsalltag wirklich aus?von Annette Kamps

Wer ein Lehramtsstudium beginnt, lernt schnell, dass der Unterricht nur eine von vielen Facetten des Berufsalltags eines Lehrers ist. © Woodapple / fotolia.com
Seit fünf Jahren unterrichtet André Schlüter Deutsch, Sozialwissenschaften und Informatik am Montessori-Gymnasium in Köln. Er weiß, dass das Lehrerleben aus mehr als Unterricht besteht: "Das ist nur das Kerngeschäft. Wenn man nur unterrichten und bewerten würde, wäre der Lehrerjob nicht so stressig." Als Klassenlehrer muss der 38-Jährige jede Menge organisieren, neue Unterrichtskonzepte entwickeln und sich mit Eltern und Kollegen auseinandersetzen. Daneben haben Lehrer inzwischen viel Schreibkram zu erledigen, um neue schulpolitische Konzepte wie die Ganztagsschule umzusetzen und zu evaluieren. Doch das ist noch lange nicht alles: Schlüter ist für die schulinterne Datenverarbeitung zuständig und arbeitet außerdem in der Lehrerausbildung.
Unterrichten ist jedoch das, was seinen Beruf ausmacht. Dazu braucht es mehr als das rein fachliche Interesse: "Es ist wichtig, dass man einen guten Draht zu Kindern und Jugendlichen hat und sie ernst nimmt. Man muss aber auch belastbar sein und Konflikte aushalten können", sagt Schlüter.
Wen man später als Schüler vor sich sitzen hat, hängt davon ab, für welches Lehramt – also für welche Schulform – man sich entscheidet. Zur Auswahl stehen Grund-, Haupt- und Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen, aber auch Sonderschulen sowie Berufskollegs, an die jeweils ein eigener Ausbildungsweg führt (siehe Infos weiter unten).
Lehramt ist nicht gleich Lehramt
Das Lehramtsstudium besteht meistens aus zwei Fächern und ihrer jeweiligen Didaktik. Neben den Inhalten eines Fachs lernt man also auch, wie man es am besten vermitteln kann. Pädagogische, psychologische oder soziologische Seminare machen den dritten Bestandteil des Studiums aus: die Bildungswissenschaften. Hier setzen sich die zukünftigen Lehrer beispielsweise mit ihrem Berufsfeld oder möglichen Konflikten mit den Schülern auseinander. Die Gewichtung der einzelnen Bestandteile hängt von der gewählten Schulform ab. So zählt in der Grundschule die Art der Vermittlung mehr als das Fachliche, während in der gymnasialen Oberstufe eher harte Fakten gefragt sind.
Das Studium ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich aufgebaut: In manchen Ländern werden die künftigen Grund-, Hauptund Realschullehrer gemeinsam ausgebildet, in Baden-Württemberg besuchen sie eine Pädagogische Hochschule, anderswo eine Universität. Auch die Abschlüsse sind uneinheitlich. Wer in Nordrhein-Westfalen studiert, macht zunächst den Bachelor und anschließend den Master of Education, zukünftige Lehrer in Bayern dagegen schließen ihr Studium mit dem Ersten Staatsexamen ab. Danach folgen eineinhalb bis zwei Jahre Praxiszeit: Im Vorbereitungsdienst, auch Referendariat genannt, müssen die Nachwuchspädagogen zeigen, dass sie nicht nur theoretisch fit sind.
André Schlüter erinnert sich gerne an seine Ausbildungszeit am Gymnasium, weiß aber auch noch genau, wie aufregend und anstrengend diese Zeit war: "Das ist für viele ein Praxisschock. Man muss relativ früh eigenständig unterrichten und wird immer wieder in Lehrproben geprüft." Durch sein Studium fühlte er sich nicht besonders gut auf den Schulalltag vorbereitet: "Im Studium ist selbst das Wort 'Schule' kaum gefallen und ich habe lediglich ein Praktikum machen müssen." Inzwischen hat sich der Praxisbezug in der Lehrerausbildung jedoch erhöht, die Studenten müssen ein Eignungs-, ein Orientierungs- und ein Fachpraktikum absolvieren.
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