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20. August 2010  
Jura-Studium

Und täglich grüßt der Bücherberg

Wer Jura studieren möchte, sollte genau wissen, was auf ihn zukommt: Mord, Totschlag, viel Paukerei und schwere Prüfungen. Stefan Moskopp
Jura

Pauken in der Bibliohek: Für viele Jura-Studenten ein gewohntes Bild. © Anke Tillmann

Wenn Martin Krings morgens die Augen aufmacht, weiß er genau, dass er sie so schnell nicht wieder zumachen darf. "Als Jura-Student hat man eigentlich immer einen langen Tag vor sich, oder besser gesagt: Man sollte immer einen langen Tag vor sich haben", sagt Martin, "denn bis zum Staatsexamen muss man ein heftiges Pensum bewältigen." Wenn nicht gerade eine Vorlesung ansteht, versucht er deswegen, schon früh in der juristischen Bibliothek der Uni Köln zu sein. Bereits um 9 Uhr muss der 25-Jährige, der im dritten Semester Jura studiert, lange suchen, bis er endlich einen freien Platz findet. "Zu Beginn des Studiums fühlte ich mich fast ein wenig erschlagen von den vielen Büchern – und von der Stille." Wer aus dem Flüsterton ausbricht, erntet gleich böse Blicke. "Man muss sich erst mal an die Atmosphäre gewöhnen, aber es gibt einfach keinen anderen Ort, wo man sich so gut konzentrieren kann wie hier", sagt Martin. Und Konzentration ist extrem wichtig, denn nach wie vor gehört Jura zu den Studienfächern mit den höchsten Durchfallquoten. Um den Herausforderungen auch körperlich gewachsen zu sein, betreibt der Kölner, der bereits einen Bachelor in Geschichte und Philosophie gemacht hat, in seiner Freizeit die chinesische Kampfkunst Kung Fu.

 

Schüsse im Hörsaal

A will B aus Eifersucht erschießen, verfehlt diesen aber und trifft C tödlich, der seinerseits gerade D erschießen wollte. Wie hat sich A strafbar gemacht?

Anhand solcher Fälle lernen Jurastudenten die Anwendung des Rechts. Und das immer mithilfe der Gesetzessammlungen, womit das Vorurteil, Jura sei ein reines Auswendiglernen von Paragraphen und daher staubtrocken, schnell entkräftet wäre. "Allerdings ist es eine Sache, die dicken Wälzer zur Verfügung zu haben, eine ganz andere aber, die richtigen Vorschriften zu finden", sagt Martin. "Und hat man sie dann gefunden, geht die Arbeit erst richtig los." Getreu dem Spruch "Jura fängt da an, wo der Gesetzestext aufhört" gilt es, die Gesetzesvorschrift unter Berücksichtung von Gerichtsentscheidungen, Kommentaren, Lehrbüchern, Aufsätzen und Doktorarbeiten auszulegen. Entsprechend werden die rechtswissenschaftlichen Bibliotheken der Unis während der zahlreichen Hausarbeiten, die während des Studiums jeweils über mehrere Wochen bewältigt werden müssen, zum zweiten Zuhause für die angehenden Juristen.

 

"Mangelhaft" gehört dazu

Das Jura-Studium dauert mindestens acht Semester und endet mit dem Ersten Staatsexamen. Der Weg dorthin ist für die meisten Studenten sehr steinig. "Wir sind schon in der Erstsemester-Begrüßungsrede auf schlechte Noten vorbereitet worden", sagt Martin. Einsen und Zweien kämen kaum vor, und auch die besseren Studenten würden ihr Studium selten beenden, ohne mal ein "Mangelhaft" kassiert zu haben. Dafür könne man sich auf ein "Voll befriedigend" so viel einbilden wie in der Schule auf ein "Sehr gut".

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JuraRechtStaatsexamenRechtswissenschaft

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