Mehr als Seelenkunde
Psychologie gehört zu den beliebtesten Studienfächern an deutschen Hochschulen. Im Studium ist nicht nur Interesse für Soziales gefragt – auch Biologie und Mathematik gehören zum Psychologie-Studium.Hanna Koch

Im Psychologie-Studium geht's um den Menchen - und um Mathe und Statistik. © Photocase.com / David Q
Anderen Menschen helfen, emotionale Probleme lösen, sich mit sozialen Konflikten auseinandersetzen: So stellen sich viele Abiturienten das Studienfach Psychologie vor. Dementsprechend beliebt ist es auch. Der Andrang aufs Psychologie-Studium ist groß, der Numerus Clausus liegt im Einserbereich. Hier gibt es eine Übersicht mit Hochschulen, die ein Psychologiestudium anbieten. Viele Studienanfänger, die einen der begehrten Plätze ergattern, sind jedoch enttäuscht: Statt Seelenkunde erwarten sie Statistikkurse, statt Selbsterfahrung wird Biologie gepaukt.
"Viele Studenten erwarten ein weniger naturwissenschaftliches Studium", sagt Stefanie Glawe, Studienberaterin an der Universität Heidelberg. Dabei gehe es gerade beim Bachelor darum, Grundlagen zu lernen – denn wer psychologische Studien lesen will, muss Statistik verstehen, wer Verhaltensweisen interpretieren möchte, braucht Wissen über Gehirnfunktionen. Die Studenten müssen die Theorie kennen, erst danach dürfen sie eigene Praxisprojekte realisieren. Dabei lernen sie, wie Studien geplant, durchgeführt und analysiert werden. "Abiturienten, die sich fürs Psychologie-Studium entscheiden, sollten Interesse an Mathematik und Biologie mitbringen", rät Studienberaterin Glawe. Im Vorteil ist außerdem, wer gut in Englisch ist, da wissenschaftliche Texte meist in dieser Sprache verfasst sind.
"Psychologie ist sehr lernintensiv, regelmäßig werden Klausuren geschrieben", sagt Michaela Theisen. Die 23-Jährige studiert an der Universität Wuppertal und hat die Hürden der Grundlagenfächer bereits genommen. "Man muss Begeisterung für das Fach mitbringen, dann schafft man es auch", sagt die angehende Psychologin. Sie selbst sei nie besonders gut in Mathe gewesen. "Aber ohne das Wissen in Statistik kann man viele wissenschaftliche Studien nicht verstehen", so die Studentin. Das habe sie zum Lernen angespornt.
Psychologie eröffnet Jobchancen
In ihrem Diplomstudiengang kann sich Michaela Theisen auf drei Teilbereiche der Psychologie spezialisieren: Pädagogische Psychologie, Klinische Psychologie sowie Arbeits- und Organisationspsychologie. Bachelor-Studenten müssen dafür einen Master anhängen – Studienberater empfehlen diesen Schritt. Denn erst der Master ermöglicht den Absolventen, alle beruflichen Möglichkeiten zu nutzen, zum Beispiel in den Staatsdienst einzusteigen. Polizei, Justiz oder auch die Deutsche Bahn werben um Mitarbeiter im Psychologischen Dienst. Sie brauchen Psychologen, etwa um Persönlichkeitsprofile zu erstellen oder um Angestellte mit traumatischen Erlebnissen betreuen zu lassen. Auch bei Beratungsstellen oder Rehabilitationszentren sind Psychologen gefragt, um Menschen zu betreuen. Gute Einstiegschancen bieten Wirtschaftsunternehmen – auch sie nutzen die Hilfe von Psychologen, etwa bei Personalentscheidungen. Laut Informationssystem Studienwahl und Arbeitsmarkt (ISA) der Universität Duisburg-Essen haben sich die Jobchancen für Psychologen in den vergangenen zehn Jahren laufend verbessert, die Zahl der Arbeitslosen ist in dieser Berufssparte um 50 Prozent gesunken.
Wer dennoch keinen Job findet, kann sich nach dem Master-Abschluss weiter qualifizieren: mit einer Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten. Die ermöglicht den Absolventen, eine eigene Praxis zu eröffnen. Michaela Theisen hat sich noch nicht entschieden, welchen Karriereweg sie einschlagen möchte. So will sie erst einmal einige Praktika absolvieren, um verschiedene Bereiche kennen zu lernen.
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