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15. Mai 2012  
Theologie - Karriere in der Kirche

Gott und die Welt

Auch wenn vielerorts vom "Gemeindesterben" die Rede ist: Abgesehen vom Staat sind die beiden großen christlichen Kirchen zusammengenommen immer noch der größte Arbeitgeber in Deutschland. Aber wie macht man eigentlich Karriere in der Kirche? Melanie Walkenbach
Kirche

Nicht nur als Pfarrer kann man Karriere in der Kirche machen. Auch Buchhalter, Juristen oder Hausmeister können die Kirche als Arbeitgeber haben. © Pixelio: Heike Dreisbach

Eigentlich geht es bei den Kirchen in vielen Bereichen sehr weltlich zu: Man findet dort viele der Jobs, die es auch in ganz normalen Unternehmen und Behörden gibt. Beschäftigt sind Krankenschwestern, Hausmeister und Fahrer, aber auch Juristen, PR-Referenten, Buchhalter und Marketing-Spezialisten. Doch auch denjenigenen, denen der Glaube an sich das Wichtigste ist, stehen vielerlei Berufe zur Auswahl.

Zu den pastoralen Berufen zählen neben Pastor oder Pfarrer auch der Diakon, Religionslehrer, Gemeinde- und Pastoralreferent sowie Kirchenmusiker. Wer sich für einen dieser Berufe in der Kirche entscheidet, für den beginnt die Berufswahl meist nicht erst in der Berufsberatung: "Ich habe bereits als Schüler gespürt, dass in der Kirche und im Glauben mein berufliches Leben liegt", erzählt Theologiestudent Ludwig Waldmüller. "Immer wieder hatte ich recht eindeutige Berufungserlebnisse, ich habe auf ganz heftige Weise erfahren, dass da jemand ist, der mich in seinen Dienst ruft, der gerade mich braucht." Ob der 26-jährige, der derzeit bei Radio Vatikan arbeitet, einmal Priester werden wird, weiß er aber noch nicht so genau.

Nachwuchsmangel an den theologischen Fakultäten

Religion ist keinesfalls out. Im August 2011 nahmen rund Hunderttausende junge Menschen aus aller Welt am katholischen Weltjugendtag in Madrid teil. Einen Boom der theologischen Studiengänge hat Ratzingers Wahl zum Kirchenoberhaupt gleichwohl nicht ausgelöst. "Theo"-Studenten sind an deutschen Universitäten heute Mangelware, einigen theologischen Fakultäten droht bereits die Schließung. Seit rund zwölf Jahren ist die Zahl der Priesterkandidaten und der Neupriester rückläufig, es herrscht Notstand. Viele Gemeinden sind geradezu "unterversorgt", die dortigen Geistlichen oft überlastet.

Nicht viel besser ergeht es ihren evangelischen Glaubensbrüdern. "Wir werden beispielsweise in der Evangelischen Kirche im Rheinland spätestens ab 2012 viele unbesetzte Stellen haben", sagt Dr. Volker A. Lehnert, Dezernent für theologische Ausbildung im Landeskirchenamt der EkiR in Düsseldorf. "Wer sich wirklich für Gott und den Glauben interessiert, sollte jetzt mit dem Studium beginnen", ist sein Tipp. Zukünftige Geistliche sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass sowohl Hebräisch, als auch Griechisch und Latein prüfungsrelevante Fächer sind.


Auch Religionslehrer werden gesucht

Nicht jeder, der Theologie studiert, wird Pfarrer oder Ordenspriester. Und nicht jeder, der einen pastoralen Beruf ergreifen will, muss Theologie studieren. Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten, aber auch Religionslehrer leisten wichtige Aufgaben in Kirche und Gemeinde. Zukünftige Pastoralreferenten studieren zunächst Theologie und absolvieren dann eine mehrjährige Assistenzzeit, bevor sie ihre Gemeindeaufgaben in der Gemeindekatechese, Jugendarbeit, im Religionsunterricht oder in der Beratung wahrnehmen. Gemeindereferent wird, wer zunächst eine schulische Berufsausbildung an einer Fachschule oder Fachakademie bzw. ein theologisches FH-Studium wie etwa Praktische Theologie, Religionspädagogik oder Bildungsarbeit und danach eine Assistenzzeit absolviert. Ein Diakon steht dem Priester oder Pfarrer zur Seite, nimmt karitative, verwaltende und liturgische Funktionen wie Taufe oder Eheschließung wahr. Abiturienten, die sich hierfür interessieren, steht neben dem Weg über eine Fachschulausbildung oder eine Ausbildung zum Gemeinde- bzw. Pastoralreferenten das Hochschulstudium offen: Wer sich beispielsweise an der Evangelischen Fachhochschule Hannover ausbilden lässt, der studiert in den Bereichen Sozialwesen, Religionspädagogik und Diakonie und absolviert dann ein 18-monatiges Praktikum, um die staatliche und kirchliche Anerkennung zu erhalten.

  1. Teil: Theologie studieren heißt nicht unbedingt Pastor werden
  2. Teil: Imam- und Rabbinerausbildung in Deutschland
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TheologieLehramtReligionIslamwissenschaften

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