Der Hip-Hop-Erzieher
Als Jugendlicher entdeckte Björn "Becks" Beckers seine Liebe für den Hip-Hop in einem Rap-Workshop. Nun kümmert sich der studierte Pädagoge selbst um die Reimemonster von morgen.Patrick Agis-Garcin / Henrik Kürten

MC und Musikpädagoge Becks bringt Jugendlichen in seinen Workshops das Einmaleins des Hip-Hops bei. © Henrik Kürten
Einst war Björn Beckers ein ziemlich orientierungsloser und nur mäßig motivierter Pädagogik-Student, der als "MC Becks" viel mehr Zeit mit Hip-Hop, Graffitis, Breakdance und DJ-ing verbrachte als in den Hörsälen. Heute hat es der 32-Jährige aus Köln geschafft, seine große Leidenschaft zu seinem Beruf zu machen: Er arbeitet als Dozent und veranstaltet Rap-Workshops für Kinder und Jugendliche.
Damit schließt sich gewissermaßen ein Kreis, denn: Seine Passion für Reime und Beats entdeckte Becks früher selbst in einem Rap-Workshop – als 18-Jähriger im örtlichen Jugendzentrum. "Da habe ich gemerkt: Das ist es! Seitdem hat sich Hip-Hop wie ein roter Faden durch mein Leben gezogen", erzählt er. Eher aus Mangel an Alternativen als aus fester Überzeugung schrieb er sich danach zwar für ein Pädagogik-Studium an der Uni ein, verlor den Hip-Hop als Mitglied des Kollektivs "FMN-Music" zugleich aber nie aus den Augen. "Ich habe Hip-Hop damals richtig gelebt. Deswegen war das Studium für mich eher zweitrangig."
Hip-Hop vereint
Die Einsicht, dass er seine Leidenschaft für die Musik mit seinem pädagogischen Hintergrund in Einklang bringen kann, kam ihm erst später. Die Initialzündung lieferte ein Praktikum, das er 2006 im Rahmen seines Studiums in der offenen Jazz Haus Schule in Köln absolvierte, einer musikpädagogischen Einrichtung. "Erst durch das Praktikum wurde mir klar, was ich mit meinen Fähigkeiten noch anfangen kann. Ich wusste, dass ich rappen kann, Ahnung von der Hip-Hop-Welt habe und gut mit Menschen umgehen kann." Und wie es der Zufall so wollte, suchte die Jazz Haus Schule zu dieser Zeit einen neuen Dozenten. "Der Job war wie gemacht für mich, denn durch meine Erfahrung als Rapper habe ich gemerkt, dass ich am liebsten mit jungen Menschen zusammenarbeite."
Die Ironie der Geschichte: Den Schwerpunkt in seinem Pädagogik-Studium hatte Becks ausgerechnet auf die Erwachsenenbildung gelegt. "Das war im Nachhinein echt die falsche Wahl", lacht er heute. "Damit landet man nämlich üblicherweise in der Wirtschaft, in Unternehmen oder bei kirchlichen oder städtischen Einrichtungen. Das wäre aber alles nichts für mich gewesen." Statt Computerkurse an der Volkshochschule zu geben, bringt Becks so nun den Nachwuchs-Rappern das Einmaleins des Hip-Hops bei.
Die Teilnehmer seiner Workshops coacht MC Becks dabei nicht nur in Skills wie dem Rappen, Texten, Aufnehmen sowie der Bühnenshow, sondern er vermittelt auch Werte. "Hip-Hop ist eine Jugendkultur, die Menschen miteinander verbindet – auch wenn die Medien da oft ein sehr gegensätzliches Bild zeichnen. Aus dem Hip-Hop kommt der Crew-Gedanke, der viel mit Gemeinschaft und Freundschaft zu tun hat." Dass der Hip-Hop verschiedenste Menschen vereint, erlebt Becks dabei in seiner täglichen Arbeit: Für seine Workshops besucht er Grund-, Haupt-, Real- und Förderschulen, Gymnasien, Berufskollegs, Jugendzentren und Kultureinrichtungen und unterrichtet Jugendliche und Kinder aus allen Altersgruppen und Bildungsschichten – von ABC-Schützen aus sozialen Brennpunkten bis hin zu wohlsituierten Oberstufenschülern.
Am Puls der Szene
Als freiberuflicher Dozent hat MC Becks keine geregelten Arbeitszeiten und erlebt auch nicht den klassischen Büroalltag. Langweilig wird ihm aber auch an Tagen, an denen kein Workshop steigt, nicht: "Es ist wichtig, dass ich mir meine Woche gut organisiere und auch die freien Tage sinnvoll nutze, um mich ordentlich auf die Workshops vorzubereiten und Kundenakquise zu betreiben, also nach Schulen und Jugendeinrichtungen Ausschau zu halten, in denen ich meine Workshops veranstalten kann." Außerdem gilt es, stets auf dem Laufenden zu sein, was die aktuelle Szene und neue Künstler angeht – "denn man sollte schon wissen, worüber man mit den Kids redet."
Auch wenn es mit der eigenen Karriere, der Eroberung der Charts und Superstar-Träumen nicht geklappt hat, hat es MC Becks also trotzdem geschafft – er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Sein Erfolgsrezept: "Wichtig ist vor allem, dass man an dem festhält, was einem Spaß macht. Wenn man den Kopf nicht hängen lässt und immer am Ball bleibt, kann man es schaffen."
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