Arm, aber glücklich
Geisteswissenschaftler haben es auf dem Arbeitsmarkt traditionell schwer. Wer im Studium Schwerpunkte setzt und die eigenen Stärken gut verkauft, hat jedoch alle Chancen.Maja Roedenbeck

Leseratten und andere "brotlose Künstler" haben's auf dem Arbeitsmarkt schwerer. © jameek / photocase.de
Geisteswissenschaftler sind die Gewinner auf dem Arbeitsmarkt von morgen. Nach Jahren des Jammerns über die schlechten Berufsaussichten winken endlich sichere Jobs und ordentliche Gehälter − zumindest, wenn man den Überschriften glaubt, die in letzter Zeit immer wieder zu lesen waren. "Keine brotlose Kunst" titelte beispielsweise der ZEIT Studienführer, und die Frankfurter Allgemeine schrieb "Geisteswissenschaftler: Bereit für den Quereinstieg". Und immer wieder macht das Schlagwort der "Renaissance der Geisteswissenschaften" die Runde.
Stehen den Absolventen sprach-, gesellschafts- und kulturwissenschaftlicher Fächer also künftig alle Türen offen? Nein, meint Frank Wießner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): "Von einem Boom kann keine Rede sein."
Zusammen mit weiteren Experten hat Wießner die Studie "Arbeitsmarktchancen für Geisteswissenschaftler" vorgelegt. "Die Geisteswissenschaftler waren noch nie auf Rosen gebettet, und das wird ihnen auch in absehbarer Zukunft nicht passieren. Im Idealfall stabilisiert sich die Arbeitsmarktsituation, allerdings nicht auf einem hohen Niveau", prognostiziert er. Fähige Absolventen mit geisteswissenschaftlichem Studium haben jedoch seiner Erfahrung nach schon immer gute Jobs gefunden.
Im Durchschnitt liegen die Einstiegsgehälter allerdings nach wie vor weit unter denen der meisten anderen Hochschulabsolventen. Wenn die Zeitungen trotzdem positiver über die Geisteswissenschaften berichten als früher, dann liegt das vor allem an der Veränderung des Blickwinkels. Jahrelang wurden Studienfächer nur danach bewertet, wie viel Geld die Absolventen im ersten Job verdienten, wie groß ihre Karrierechancen und wie sicher ihre Arbeitsplätze waren. Alles Messwerte, bei denen die Geisteswissenschaftler vergleichsweise schlecht abschneiden.
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