Alternativen zum Jura-Studium
Wer in der Justiz arbeiten will, muss nicht unbedingt Jura studieren. Die Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten und das Studium zum Rechtspfleger stellen spannende Alternativen zum Jurastudium dar.Hanna Koch
Linnmartha Eck arbeitet in einem Kölner Anwaltsbüro. Schon morgens klingelt dort das Telefon im Minutentakt, während die ersten Mandanten im Vorzimmer warten. Die angehende Rechtsanwaltsfachangestellte muss jetzt schnell mehrere Akten heraussuchen, die ihr Chef, Rechtsanwalt Reinhard Bergmann, einse-hen möchte. Zwischendurch betreut die 21-Jährige Klienten – telefonisch oder vor Ort in der Kanzlei.
Nur wenige Kilometer entfernt, im Oberlandesgericht Köln, ist von solcher Hektik nichts zu spüren: Hier arbeitet Rechtspflegerin Elena Krumscheid. Die 24-Jährige hat ihr Studium vor zwei Jahren abgeschlossen und arbeitet jetzt in der Justizverwaltung. Ihr Büro im zweiten Stock erreichen Besucher über eine große geschwungene Freitreppe. Schon in der Ausbildung konnte sie weitgehend selbstständig arbeiten, zum Beispiel entschied sie über Vormundschaften oder regelte Mahnverfahren. Bei ihrem Job in der Verwaltung hat die junge Rechtspflegerin vor allem mit Jurastudenten zu tun: Im Justizprüfungsamt ist sie unter anderem für den Ablauf der mündlichen Prüfungen zuständig.
Lieber Ausbildung als Jurastudium
Ein Jurastudium kam weder für Linnmartha Eck noch für Elena Krumscheid infrage. Klar war aber beiden: Es sollte eine Ausbildung im Rechtswesen sein. Eck hatte mit ihrem Realschulabschluss gar keine Chance auf einen Studienplatz, Elena Krumscheid dagegen machte ein sehr gutes Abitur – die optimale Voraussetzung für ein Jura-Studium. Trotzdem entschied sie sich dagegen: „Ich wollte einfach nicht in einen völlig überlaufenen Studiengang, um dann jahrelang zu studieren.“ Der Studiengang Rechtspflege schien ihr die bessere Alternative zu sein. „Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe“, sagt Krumscheid. Drei Jahre dauerte die Ausbildung, Theorie- und Praxisphasen wechselten sich dabei ab: Studiert hat Krumscheid an der Fachhochschule für Rechtspflege NRW in Bad Münstereifel, gearbeitet an verschiedenen Amts- und Landgerichten. Semesterferien gab es zwar nicht, dafür aber monatliche Anwärterbezüge in Höhe von 962 Euro brutto.
- Jura-Studium: Und täglich grüßt der Bücherberg
- Branchen-Check Recht: Im Namen des Gesetzes
- Neue Jura-Studiengänge mit Bachelor-Abschluss: Juristen ohne Staatsexamen
- Rechte und Pflichten von Azubis: Von Anfang an Mitglied des Teams
- Internationales Privatrecht in Mainz und Dijon: Deutsch-französisches Jura-Studium


