Timbuktu für den Lebenslauf?
England oder Timbuktu? Au-pair oder Auslandssemester? Ein Auslandsaufenthalt darf in keinem Lebenslauf fehlen. Denkt man. Doch was erwarten die Unternehmen tatsächlich von ihren Bewerbern?Annette Kamps
Immer mehr Studenten verbringen mindestens ein Semester im Ausland. Laut Statistischem Bundesamt waren es zuletzt 83.000. Eine davon war Danijela Simic, die gleich zweimal während des Studiums das Weite suchte, erst in Südafrika, danach in Polen. Die 26-Jährige profitierte nicht nur sprachlich von ihren Auslandserfahrungen: „Insbesondere während meines Studiums in Südafrika habe ich mich intensiv mit den wirtschaftlichen und sozialen Problemen des Landes beschäftigen können. Und mein Studium in Polen hat mir die Herausforderungen eines neuen EU-Mitgliedsstaates vor Augen geführt.“
Eine solche Horizonterweitung wissen die meisten Unternehmen zu schätzen. Vor allem Global Player setzen Auslandserfahrung voraus, damit ihre Mitarbeiter weltweit in internationalen Teams besser zurechtkommen. „Allein in der deutschen Zentrale arbeiten Menschen aus mehr als vierzig Nationen, da muss man gegenüber kulturellen Unterschieden unbedingt offen sein“, sagt Tina Vollmer, Human Resources Managerin bei der Adidas Group. Und durch nichts erhalte man einen besseren Einblick in andere Kulturen als durch einen Auslandsaufenthalt. Neben der kulturellen steht die sprachliche Kompetenz im Vordergrund, denn viele Vokabeln oder Redewendungen lassen sich vom heimischen Schreibtisch aus kaum erlernen.
Praktikum, Auslandssemester oder komplettes Studium?
Es gibt zahlreiche Varianten, fremde Kulturen und Sprachen kennen zu lernen, doch welche sehen Personaler am liebsten? Pauschal lässt sich das nicht beantworten, denn jede hat Vorund Nachteile: Während Au-pair oder Work and Travel sich direkt nach der Schule anbieten, um eine Sprache zu erlernen oder zu vertiefen, kann man an der Uni oder durch ein Praktikum noch Fachkenntnisse mitnehmen. Robindro Ullah, zuständig für die Nachwuchsgewinnung bei der Deutschen Bahn AG, bevorzugt die praktische Erfahrung im Ausland: „Man lernt neben der Mentalität der Menschen auch unterschiedliche Arbeitsmethoden kennen. Außerdem vertieft man die Sprache hinsichtlich der Arbeitsbegrifflichkeiten.“ Doch auch ein Auslandssemester wird gerne gesehen – und hat den Vorteil, dass man live erlebt, wie es an anderen Unis abläuft. Man sollte allerdings darauf achten, dass Studienleistungen anerkannt werden, damit man keine Zeit verliert. Noch wichtiger ist die Anerkennung natürlich, wenn man ein ganzes Studium im Ausland absolviert. Denn wer sich in Deutschland bewirbt, sollte einen hier gültigen Abschluss vorweisen. Ullah sieht einen weiteren möglichen Stolperstein für die Karriere: „Wenn man komplett im Ausland studiert, kann es sein, dass man die Methoden und Techniken der Arbeitswelt in Deutschland zu wenig kennt.“ In diesem Fall kann man den Spieß einfach umdrehen und ein „Auslandssemester“ in Deutschland verbringen.
- Teil: Immer mehr Studenten gehen ins Ausland
- Teil: Welches Land man wählt, ist egal
- Finanzierung eines Auslandsstudiums: Wie zahl' ich das bloß?
- Ein Klassenzimmer unter Segeln: Meer erfahren, mehr lernen
- Beruf Nothelfer: Anpacken in der Krise
- Hochschulwahl: Probieren kommt vor dem Studieren
- Exzellenzinitiative - Spitzenunis im Vergleich: Vorbild Harvard?


